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Kingfisher plc

Geht Obi an Kingfisher?


Die britische Kingfisher-Gruppe greift nach Obi; wie die "Lebensmittelzeitung" meldete, stünde die Übernahme des deutschen Baumarkt-Branchenprimus Obi durch die Mutter der britischen Nr. 1 B & Q "offenbar kurz vor der Vertragsunterzeichnung". Dem Vernehmen nach sollen sowohl Obi-Hauptgesellschafter Tengelmann wie auch die übrigen Gesellschafter bereit sein, sich komplett von ihren Anteilen zu trennen. Laut LZ geht es dabei zunächst einmal um die Obi-Obergesellschaft Deutsche Heimwerkermarkt Holding GmbH, an der Tengelmann mit 62,6 %, die Fahrzeugwerke Lueg mit 25,6 % und die Familien Lux und Maus mit jeweils 11,8 % beteiligt sind.

Die Spekulationen um die Zukunft von Obi beschäftigen die Branche schon seit Monaten. Der Zwang zur weiteren Expansion, vor allem international, brachte die Eigner in die Zwickmühle, zumal Mehrheitsgesellschafter Tengelmann derzeit klamm ist und kaum das notwendige Kapital für Investitionen bei der Tochter aufbringen kann. Einzige Lösung: die Trennung. Lange galt US-Marktführer Home Depot als heißester Kaufkandidat, zumal eindeutige Ambitionen Richtung Europa erkennbar waren. Inzwischen hat sich das Interesse der Amerikaner nach Süd- und Mittelamerika verlagert.

Kingfisher hatte bereits vor zwei Jahren die Fühler nach Obi ausgestreckt - ohne Erfolg. Seit dem Sommer vergangenen Jahres hat sich jedoch einiges geändert: Im September kamen die Obi-Eigner überein, Anteile abzugeben, sofern sich ein Investor findet - wobei Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub öffentlich noch nicht von einem Verkauf, sondern nur von einer "strategischen Partnerschaft" sprechen mochte.

Die komplizierte Struktur der Gruppe mit eigenen Standorten, Beteiligungen und Franchise-Märkten gestaltete jegliche Verhandlungen jedoch schwierig. Zudem verkörpert Obi eine besondere, von Gründer Manfred Maus geprägte Unternehmenskultur, die förderlich für Produktivität und Engagement ist, aber in der Beschaffung und Sortimentsführung den Wettbewerbern hinterherhinkt.

Das ist bei Kingfisher ganz anders: Der Filialist wird zentral und straff geführt. Branchenkenner vermuten deshalb, das Kingfisher-Chef Sir Geoffrey Mulcahy versuchen könnte, den Kaufpreis für Obi zu drücken. Auch würde er die Obi-Gesellschafter gern mit Aktien des eigenen börsennotierten Konzerns bezahlen, wird weiter kolportiert. Auf jeden Fall ist der Deal für die Briten hoch interessant; sie würden mit der Einverleibung von Obi ihre ohnehin starke Marktstellung in Europa weiter ausbauen. Mit B & Q stellen sie nicht nur den Marktführer in Großbritannien, sie sind auch mit 54,5 % an Frankreichs Nr. 1 Castorama beteiligt. Der 9 Mrd. DM Umsatz-Zukauf in Deutschland würde ihren Gesamtumsatz auf 23,1 Mrd. DM anschwellen lassen.
aus BTH Heimtex 04/01 (Wirtschaft)