Interview mit Benoit Miquel, Tarkett AG

Neue Produktionen, neue Produkte, neue Absatzmärkte

Tarkett zählt weltweit zu den führenden Anbietern von Bodenbelägen. Unter den Parkettherstellern gilt Tarkett als einer der drei größten Produzenten. Ziel ist, auch in diesem Bereich an die Spitze vorzurücken. Nach einer in den letzten Jahren vergleichsweise ruhigen Absatzentwicklung sollen Holzfußböden wieder kräftiger zulegen, in diesem Jahr um mindestens 10%. Über die künftige strategische Ausrichtung des Tarkett-Holzbereichs und über die daraus resultierenden Planungen der nächsten Jahre sprach ParkettMagazin mit Benoit Miquel, seit eineinhalb Jahren Leiter des Business-Centers Wood.

ParkettMagazin: Wie ist Tarkett organisiert, wo ist der Bereich Parkett/Holz innerhalb dieser Struktur positioniert und welche Bedeutung haben Holzfußböden heute für die Tarkett AG?

Benoit Miquel: Tarkett gliedert sich in zwei Bereiche, in die Division Handel und in die Division Objekt. Zur Division Handel gehören im wesentlichen die drei Business-Center Holzbeläge, Laminatböden und CV-Beläge sowie weltweit 50 Verkaufsgesellschaften. Das Zusammenwirken der einzelnen Business-Center mit den Verkaufsgesellschaften ist in einer Matrixorganisation geregelt. Dabei liegt die Produktverantwortung bei den Leitern der drei Business-Center. Von hier kommen die Vorgaben, hier werden strategische und operative Entscheidungen für die Entwicklung (R & D), für die Produktion, für das Marketing, für den Verkauf und für das Finanzwesen getroffen. Ich bin als Leiter der Business-Center Wood für Holzfußböden verantwortlich, die mit derzeit 268 Mio. EUR knapp 17% Anteil am Tarkett-Jahresumsatz haben. Unser Ziel ist, diesen Umsatz jährlich um 10% zu steigern.

ParkettMagazin: Sie sind dabei, den Bereich Parkett/Holz neu auszurichten. Welche Vorgaben kommen aus dem Markt, welche Anpassungen sind im Unternehmen notwendig?

Benoit Miquel: Der Markt für Parkett und Holzbeläge wächst langsam, aber kontinuierlich. Die jährlichen Zuwachsraten betragen in Westeuropa und auch in Nordamerika etwa 4%. Seit 2002 sind auch unsere Verkaufszahlen wieder angestiegen, zuletzt in Europa auf 7 Mio. qm/Jahr. Damit sind wir in Europa die Nr. 1, weltweit nach Armstrong der zweitgrößte Hersteller. Dabei ist unsere Umsatzentwicklung niedriger als die Mengenentwicklung ausgefallen, hervorgerufen durch einen ungesunden Preiswettbewerb. Es gibt neue Wettbewerber innerhalb Europas - in Polen, in Tschechien und in Spanien - und auch asiatische Hersteller, die mit niedrigen Preisen und minderen Qualitäten in den europäischen Markt drängen. Bei Tarkett steht die Qualität der Produkte nach wie vor an erster Stelle. Um diesen hohen Qualitätsstandard bei gleichzeitig wettbewerbsfähigen Preisen halten zu können, müssen wir Produktionsabläufe weiter optimieren und die Logistik deutlich straffen.

Wir kaufen Rohmaterial weltweit ein, wir vermarkten unsere fertigen Produkte weltweit über 50 eigene Vertriebsgesellschaften. Jetzt wollen wir lokal produzieren. Bei CV- und bei Laminatbelägen gehen wir diesen Weg bereits mit Erfolg. Deshalb haben wir uns entschieden, auch Parkett nicht mehr nur an einem Standort in Schweden herzustellen.

ParkettMagazin: Wie weit sind Sie mit der Umsetzung Ihrer Planungen vorangekommen?

Benoit Miquel: Die Produktion in Hanaskog wurde nach modernsten Gesichtspunkten überplant und erneuert und gilt jetzt als eine der weltweit richtungsweisenden Anlagen zur Herstellung von dreischichtigem Parkett. In Serbien ist ein neues Werk entstanden, ein weiteres Werk ist in Polen in Bau. Im französischen Joinville, wo vormals Zweischichtparkett produziert wurde, werden jetzt ausschließlich Sportböden hergestellt.

In Schweden werden wir uns auf unsere Standardprodukte konzentrieren, d.h. die dreischichtigen 14 mm Schiffsböden kommen weiterhin aus Hanaskog. Nahezu vollautomatisch läuft die Produktion im serbischen Backa Palanka, wo Tarkett außerdem CV-Beläge in großen Mengen herstellt. Das Werk in Serbien wurde in Schweden konzipiert und von Schweden gebaut. Produziert werden dort die gleichen Sortimente wie in Hanaskog.

ParkettMagazin: Die Produkte sind identisch, Lohnkostenunterschiede sind aufgrund des Automatisierungsgrades zu vernachlässigen - welchen Standortvorteil bietet das Werk in Serbien?

Benoit Miquel: Wir produzieren in Backa Palanka ausschließlich für Russland, die Ukraine und für den Balkan und können damit die Transportwege drastisch reduzieren. Von besonderer Bedeutung ist der Wegfall der Importzölle bei den Lieferungen nach Russland. Außerdem sind wir weniger abhängig von Währungsschwankungen. Ein weiterer Vorteil sind die kurzen Wege für das Rohmaterial, das zum großen Teil aus dieser Region bezogen wird.

ParkettMagazin: Was wollen Sie aus Polen liefern?

Benoit Miquel: Bereits seit einigen Jahren werden nordwestlich von Poznan Nutzschichten getrocknet, die dann in Hanaskog weiter verarbeitet werden. Am gleichen Standort wird jetzt eine Dielenproduktion aufgebaut, eingerichtet auf die Herstellung von dreischichtigen 1-Stab- und 2-Stab-Landhausdielen. Eine weitere Produktionsstraße ist für Furnierböden vorgesehen. Die Inbetriebnahme der Anlagen in Polen ist zum Jahresende terminiert.

ParkettMagazin: Wie groß werden die europäischen Produktionskapazitäten von Tarkett zum Jahresende sein?

Benoit Miquel: In Schweden sind es noch 7 Mio. qm, in Serbien 2 Mio. qm und in Polen 2,5 Mio. qm. Jedes Werk wird künftig seine eigenen Nutzschichten herstellen und auch trocknen. Wenn das Werk in Polen fertiggestellt ist, werden wir die Furnierbodenfertigung in Broby beenden. Die Kapazität wird dann in Schweden bei etwa 6 Mio. qm liegen. Bereits sehr kurzfristig, vermutlich innerhalb der nächsten zwei Jahre, wollen wir die Produktion in Serbien verdoppeln. Grund ist hierfür die rasante Marktentwicklung in Osteuropa. Während in Westeuropa von jährlichen Steigerungen in Höhe von 4% ausgegangen wird, sind im Osten jährliche Zuwächse von 12 bis 15% zu verzeichnen.

ParkettMagazin: Verbesserte Produktivität und Kapazitätsausweitung sind die eine Seite - die zusätzlichen Mengen müssen aber auch verkauft werden. Mit geplanten plus 10% liegen Sie deutlich über dem durchschnittlichen Marktwachstum. Wie wollen sie dieses Ziel erreichen?

Benoit Miquel: Nachdem wir 2005 in Skandinavien und in Südeuropa sehr gute Ergebnisse erzielt haben, wollen wir uns jetzt auf drei Kernmärkte konzentrieren, die im vorigen Jahr nicht so gut abgeschnitten haben. Es geht um Frankreich, Deutschland und Großbritannien, wo wir unsere Präsenz profitabler gestalten wollen. Dabei werden wir auch neue Absatzwege, insbesondere den Holzfachhandel, einbeziehen.

Helfen soll uns dabei ein neues Programm "Customer Plus", das im letzten Jahr eingeführt wurde, mit dem wir unsere Logistik optimieren werden. Damit garantieren wir unseren Kunden, 90% aller Lieferungen innerhalb von zwei oder drei Tagen auszuführen. Diese Zusage gilt für die gesamte Tarkett-Gruppe.

Und dann ist da noch unser Trainings-Center in Schweden, wohin wir unsere Kunden regelmäßig zu Produkt- und Verkaufsschulungen einladen.

Zudem wurden Jahresanfang etwa 70% unserer Sortimente erneuert und noch hochwertiger angelegt - mit dickeren Nutzschichten, mit der Einführung von thermobehandeltem Holz und besonders matt ausgeführten Lackversiegelungen. Das bisherige Feedback unserer Kunden ist äußerst positiv.

ParkettMagazin: Wie stellen Sie Lieferfähigkeit und Lieferzeiten sicher?

Benoit Miquel: Basis unseres Logistik-Konzepts ist das Zentrallager in Broby. Von dort werden fast alle Länder Westeuropas beliefert. Ausnahmen bilden Spanien und Portugal, wo wir zur Einhaltung der kurzen Lieferzeiten kleinere Zwischenlager eingerichtet haben.

ParkettMagazin: Welchen Stellenwert hat das Markenzeichen "Tarkett" heute für den Holzbereich?

Benoit Miquel: Wir haben Anfang 2004 entschieden, uns auf eine einzige Marke zu konzentrieren. Deshalb wurde im weiteren Verlauf des Jahres und auch 2005 erheblich in die Marke "Tarkett" investiert. Wir setzen auf diese Marke und auf Markenpolitik. Im Holzbereich wird mehr als 75% unter dem Markenzeichen "Tarkett" ausgeliefert. In Schweden liegt die Markenbekanntheit von Tarkett bei rund 80%.


Tarkett - die Produkte

Das Tarkett-Holzbodenangebot umfasst vier Hauptgruppen: Modern Home, Easy Living, Classic Touch und Expert

Modern Home: Sortimente Salsa und Bravo, dreischichtige 14 mm Schiffsböden mit 3,6 mm dicken Deckschichten in 29 bzw. 4 Holzarten, in 1.250 und 2.525 m Länge und 188 mm Breite, mit Ultraloc- und Combiloc-Klickverbindung

Easy Living: Sortimente Viva und Rumba. Viva ist ein Furnierboden in 1-Stab-, 2-Stab- und Landhausdielenausführung, mit Furnieren in 21 Holzarten, in den Abmessungen 1.220 x 190 x 8,5 mm, mit Ultraloc-Klickverbindung Rumba ist ein dreischichtiger 12 mm Schiffsboden mit 2,2 mm dicker Deckschicht in 6 Holzarten, in 1.250 und 2.525 m Länge und 188 mm Breite, mit Ultraloc-Klickverbindung

Classic Touch: Sortimente Epoque und Elegance. Epoque ist eine dreischichtige Landhausdiele mit 3,6 mm dicken Decklagen in 32 Holzarten, in den Abmessungen 2.200 x 190/162/140/117 mm x 14 mm, sowohl mit Klickverbindung als auch mit Nut und Feder Elegance ist ein zweischichtiger Parkettstab mit 3,6 mm dicker Deckschicht in 12 Holzarten, in den Abmessungen 490 x 70 x 10 mm, mit Nut und Feder

Expert: Zu dieser Gruppe gehören dreischichtige 14, 20 und 22 mm dicke Schiffsböden mit 3,6 mm Decklage in 5 Holzarten. Besonderheit: Bei der 22 mm Ausführung ist als Mittellage eine Spanplatte eingesetzt. Abmessungen: 2.525 x 188 x 14/20/22 mm. Alle drei Sortimente sind mit Nut und Feder ausgestattet.
aus Parkett Magazin 02/06 (Wirtschaft)