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Egger Floor Products baut Brilon und Wismar aus

"Pool Position" bei Laminatböden mit direkt bedruckten Oberflächen im Visier

Seinen Status als wichtiger Impulsgeber bei der Weiterentwicklung des Laminatbodens festigt Egger Floor Products (E.F.P.) mit weiteren Großinvestitionen: Im sauerländischen Brilon entsteht derzeit mit einer Kapazität von 30 Mio. qm die weltweit größte Anlage für Direktdruck. "Ein wichtiger Schritt, um unsere starke Position weiter auszubauen", sagt Geschäftsführer Stefan Pletzer. Bei einem Ortstermin im "Europawerk" Wismar, wo die Kapazität für Laminatböden noch in diesem Jahr auf 50 Mio. qm ausgebaut werden soll, sprach Ulrich Baumert, stellvertretender Chefredakteur von BTH Heimtex mit Pletzer und Vertriebsleiter Matthias Danzl über die ehrgeizigen Zielsetzungen des Unternehmens.

Egger Floor Products gibt Gas: Der Laminathersteller baut seine Kapazitäten im Europawerk in Wismar noch im laufenden Jahr auf 50 Mio. qm aus und installieren parallel am Standort Brilon die "weltweit größte" Anlage für Direktdruck, die bereits im Herbst den Betrieb aufnehmen soll.

Die anstehenden Projekte unterstreichen den rasanten Expansionskurs der Tochterfirma des europaweit produzierenden Holzwerkstoffproduzentente Egger mit Wurzeln im österreichischen St. Johann.

Ein Blick zurück: Als mit Egger Floor Products 1996 ein weiterer Laminatboden-Produzent an den Start ging, winkten nicht nur in Deutschland die Branchenteilnehmer ab. Sämtliche Vertriebskanäle waren überbesetzt und die Preise befanden sich bereits auf Talfahrt. Jetzt, zehn Jahre später, hat sich E.F.P. mit einem Marktanteil von zirka 12% unter den führenden Herstellern in Europa etabliert.

Umsatz auf über 1,7 Mrd. EUR gesteigert

Wer sich die noch junge Historie der Egger-Gruppe vor Augen führt, der Jahresumsatz liegt bei mehr als 1,7 Mrd. EUR, dem ist schnell klar, dass hier nichts unmöglich ist. Seit Fritz Egger sen. 1961 im Stammwerk St. Johann/Tirol die erste Spanplattenanlage in Betrieb nahm, wurde quasi im Jahrestakt entweder eine Fertigungsstätte eröffnet oder eine Investition in Millionenhöhe getätigt. 15 Werke sind bis jetzt entstanden. Das jüngste ging 2005 im russischen Shuya (Region Iwanow rund 200 km nordöstlich von Moskau) ans Netz und der Startschuss für das 16. im Norden Rumäniens ist bereits gefallen. Hier die Produktionsstätten im Überblick:
Österreich: St. Johann, Wörgl, Unterradlberg, Leoben
Deutschland: Wismar, Brilon, Gifhorn, Bevern, Bünde, Marienmünster
Frankreich: Rambervillers, Rion des Landes
Großbritannien: Barony, Hexham
Russland: Shuja

Was die Laminatboden-Produktion betrifft, ist die mecklenburgische Hafenstadt Wismar Dreh- und Angelpunkt. Nach dem Baubeginn des so genannten Europawerks 1998 auf einem ehemaligen Militärgelände fand bereits im Folgejahr die Inbetriebnahme erster Produktionsbereiche statt (MDF/HDF, Fußboden und Beschichtung). Das Projekt wurde im ursprünglichen Wortsinn und gewollt "in den Sand gesetzt", denn die unmittelbare Küstenlage ermöglicht es, neben Straße und Schiene den Seeweg in die Logistik der ein- und ausgehenden Warenströme einzubeziehen.

Laminatboden-Produktion in Wismar steigt auf 50 Mio. Quadratmeter

Im Geschäftsjahr 2005/6, das am 30. April endete, wurden in Wismar 40 Mio. qm Laminatboden gefertigt. Dazu kommen weitere 14 Mio. qm, die in den Werken St. Johann und Brilon von den Bändern liefen. Zusammen entsprach das einem Plus gegenüber dem Vorjahr von mehr als 20%. Noch 2006 ist beabsichtigt, die Produktionskapazität in Wismar um 10 auf 50 Mio. qm aufzustocken, wobei Spezialitäten Vorrang haben sollen. Wie es heißt, ist damit die für diesen Standort größtmögliche Menge erreicht.

Egger Floor Products beschäftigt über 300 Mitarbeiter an den drei Fertigungsstätten sowie in den Vertriebsniederlassungen Frankreich, Großbritannien und Polen. Selbstverständlich wird das weltweite Netzwerk der Gruppe ebenfalls genutzt. Der Umsatz von EFP wird auf 15% vom Gruppenumsatz beziffert, was etwa 255 Mio. EUR sind.

Ganz so reibungslos wie es scheint, verlief der Start ins Fußbodengeschäft jedoch nicht. Erste zaghafte Aktivitäten in diesem Metier endeten 1989 mit einem Flop. Der Frust muss tief gesessen haben, denn bis zum Comeback gingen etliche Jahre ins Land. Mit der Inbetriebnahme der ersten Fußbodenanlage in St. Johann 1995 sollte der Einstieg in das Marktsegment der Laminatbeläge schließlich gelingen. Da man dieses Mal nichts dem Zufall überlassen wollte, wurde ein Tochterunternehmen als eigenständige strategische Geschäftseinheit gegründet - Egger Floor Products. Von Anfang an dabei: Stefan Pletzer. "Innerhalb von 12 Monaten gelang es, die Produktion von 3 auf 12 Mio. qm zu katapultieren", erinnert sich der Geschäftsführer.

Es begann eine stürmische Zeit - im positiven Sinn. "Für einige Jahre waren wir mit Abstand der bedeutendste Lieferant auf dem chinesischen Markt", so Pletzer. Aber das ist Vergangenheit. Wie es heißt, sind weder für Asien noch für Nordamerika auf absehbare Zeit größere Investitionen geplant. "Was allerdings nicht bedeutet, dass Egger in diesen Regionen keine Interessen verfolgt", stellt Matthias Danzl klar. "Nicht wir bearbeiten dort den Markt, sondern unsere Handelspartner", verdeutlicht der Vertriebschef.

Einen kräftigen Wachstumsschub verspricht sich der Geschäftsbereich Fußboden von den Erweiterungsmaßnahmen in Brilon. Die Arbeiten für den Ausbau der MDF- und HDF-Kapazitäten sowie für die Weiterveredelung des Plattenmaterials in Form von Laminatfußböden sind in vollem Gang. Parallel dazu wurde ein Architektenwettbewerb für die Erweiterung des Verwaltungstraktes ausgeschrieben. Bestandteil dieses Komplexes wird ein 600 qm großes Präsentationsforum sein.

Vermutlich noch dieses Jahr soll in Brilon die neue Laminatboden-Generation erzeugt werden. Die von Egger jahrelang am Standort Marienmünster gesammelten Erfahrungen im Direktdruck mit Lacken auf Wasser- und UV-Basis sind dabei hilfreich, aber noch kein Garant für schnellen Erfolg. "Die Lernkurve für die Herstellung von Fußböden ist enorm lang", sagt Stefan Pletzer. Dies sei auch der Grund dafür, so früh wie möglich zu beginnen, um auch in diesem Segment ganz vorn dabei zu sein. "Der Markt wird sich nicht extrem erweitern, so dass in Teilbereichen herkömmliche Laminatböden substituiert werden dürften", prognostiziert er. Die Branche muss sich also auf einen verstärkten Verdrängungswettbewerb einstellen.

"Direct-Print-Methode gibt den Böden eine erstaunliche Wirkkraft"

Der neue Gebäudekomplex in Brilon wird eine Länge von 470 Metern haben und eine 360 Meter lange Flüssigbeschichtungsanlage beherbergen. Durch den Direktdruck auf eine HDF-Platte entfällt der Einsatz von Dekorpapieren, wovon man sich "eine Vereinfachung des Fertigungsprozesses und der gesamten Logistik" verspricht. Die so genannte Direct Print-Methode biete aber auch Wiederholgenauigkeit und hervorragende Druckqualität. Die Anlage verfügt über eine Arbeitsbreite von 2.200 mm und ist auf eine Produktionsgeschwindigkeit bis zu 120 m/min ausgelegt, was sich im Endausbau auf eine Produktionskapazität von rund 30 Mio qm summiert. In der gleichen Halle werden zwei Profilierungslinien installiert, die zusammen ebenfalls auf 30 Mio. qm Kapazität kommen, die erste Anlage soll bereits im August 2006 anlaufen, die zweite später.

Für Pletzer und Danzl steht völlig außer Frage, dass die Direktdruck-Produkte den hohen Normanforderungen für Laminatfußböden entsprechen; Auch in ästhetischer Hinsicht soll gepunktet werden. "Das Verfahren gibt den Dekoren eine erstaunliche Wirkkraft. Vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich Farbe, Dekor, Porenausführung und vor allem Glanzgrad bieten den Kunden einen erkennbaren Mehrwert", so wird versichert. "In den ersten Jahren werden wir bei einem schlanken Programm hohe Losgrößen fahren", sagt Stefan Pletzer.

Neben Brilon, Wismar und dem eingangs erwähnten Projekt in Rumänien gibt es noch weitere Großbaustellen im Konzern, was die außerordentliche Dimension der unternehmerischen Leistung von Michael Egger verdeutlicht.

Herausgefordert sieht er sich nach eigenen Worten durch "gravierende Veränderungen- auf Lieferanten und Kundenseite" sowie die Notwendigkeit, "mit der Organisation flexibel darauf zu reagieren". Und dazu ist er bereit - trotz massiver Kostensteigerungen bei Holz, Chemie und Energie.

Apropos Wismar: Wie der Branche bekannt ist, betreiben dort Egger und Tarkett ein Joint Venture. Seit 2000 gibt es eine gemeinsame Produktionsgesellschaft, deren Name ETS (Egger - Tarkett - Sommer) allerdings schon lange nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Ein Problem ist das nicht, da es sich ohnehin um ein Auslaufmodell handelt. Nachdem Tarkett den Laminatboden zum Kerngeschäft erklärt hat, will das Unternehmen als voll integrierter Erzeuger Einfluss auf den kompletten Produktionsprozess haben - ein Ziel, das sich mit Egger nicht realisieren lässt.

Offiziell endet die Zusammenarbeit am 30. April 2007. Die Österreicher werden dann alle Tarkett-Anteile der gemeinsamen Gesellschaft übernehmen und die Produktion alleine weiterführen. Da die Laminatfußboden-Werke in Wismar, Brilon und St. Johann eine Auslastungsquote von 95% haben, dürften die positiven Aspekte dieser Entwicklung überwiegen.

Fokus auf Europa gerichte

Den Fokus seiner Aktivitäten hat Egger Floor Produkts ganz klar auf Europa gerichtet, wobei Deutschland zurzeit noch die bedeutendste Rolle spielt. Hier liegt der Marktanteil nach eigener Einschätzung bei 15%. Dass ein Hersteller dieser Größenordnung alle wichtigen Vertriebsschienen bedient, versteht sich von selbst. Was den deutschen Bodenbelagsgroßhandel betrifft, ist Egger die absolute Nr.1, auch wenn man sich hier der Wachstumsgrenze nähert. Genügend Marktpotenziale gibt es allemal. Für 2005 beziffern die Österreicher das Absatzplus in Westeuropa auf 20 und in Osteuropa auf 40%.

Die Kollektionen "Floorline" und "Vivo nature" zielen auf den Großhandel und werden somit von Bodenlegern und Raumausstattern verarbeitet. "Per 1. September wird eine komplett neu gestaltete Emotion-Kollektion als zweites Sortiment neben Floorline für den europäischen Großhandel zur Verfügung stehen, um regionalen Überschneidungen besser entgegentreten zu können. "Feelwood" wird länderspezifisch individuell eingesetzt", erläutert Matthias Danzl.

Ab Mai soll die Kollektion Mega-floor über einstufige Handelssysteme (Fachmärkte, Möbelhäuser, DIY) direkt an den Endkunden vertrieben werden. Unterschiede bestehen in der Sortimentstiefe, der Produktausstattung und im Marktauftritt.

Übrigens: Die durchschnittliche Lebenszeit eines Laminatfußbodens in Deutschland wird bei Egger auf 7 Jahre taxiert - und sie verkürzt sich sogar. Nicht etwa, weil es mit der Qualität abwärts geht: "Der Laminatboden wird immer häufiger als gestalterisches Element angesehen und veränderten Raumsituationen angepasst".
aus BTH Heimtex 04/06 (Wirtschaft)