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Branchentag Holz 2003 unter dem Motto: "Markt machen"

Schlechte Zeiten als Chance nutzen

Der 7. Branchentag Holz versammelte für zwei Tage über 150 Lieferanten und etwa 2.400 Besucher in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden. Trotz anhaltend schwieriger Lage im Holzhandel blieben die Teilnehmerzahlen auf dem Niveau der Veranstaltung vor zwei Jahren. Der Gesamtverband Deutscher Holzhandel war damit zufrieden. Registriert wurde zudem ein verstärktes österreichisches Interesse.

Der Vorsitzende des GD Holz, Hugo Habisreutinger, unterstrich die Bedeutung des Verbandes und des Holzhandelstages als "Mittelpunkt der Branche". Die Mischung aus Kongress, Messe und Plattform für den freien Meinungs- und Erfahrungsaustausch habe sich bewährt - gerade in einer Zeit, in der Wegweisung gesucht werde. "Wirtschaftlich schlechte Zeiten sind gute Zeiten für Leute und Unternehmen, die ihre Unternehmen auf Vordermann bringen wollen", betonte Habisreutinger. Darunter fallen die Senkung von Herstellungskosten, Ausarbeitung von Kernkompetenzen, Lagerentrümpelung und das Setzen neuer Prioritäten.

Fachhandel besitzt einzigartige Position

Das Motto für den Branchentag lautete "Markt machen!". Es setzt auf die auch im Holzhandel bestätigte Erfahrung, dass in einem schwachen Konjunkturumfeld durchaus Firmenkonjunkturen zum Blühen gebracht werden können. Nachdrücklich unterstrich der GD Holz-Vorsitzende "den ungebrochenen Lebenswillen" und die Leistungsfähigkeit des Holzfachhandels. Dieser sei mit Blick auf den Einzelhandel und Großhandel "für die Kooperation mit dem gewerblichen Endkunden hervorragend aufgestellt". Bei Mischkonzepten, die Endverbraucher und gewerbliche Kunden ansprechen, habe der Holzfachhandel Anpassungsfähigkeit bewiesen. Davon profitierten auch die Industrieunternehmen, die ihre Werbung auf den Endverbraucher ausrichten.

Baumarktschiene akzeptieren?

So wie vor 15 Jahren die damals aufkommende Kombination von Groß- und Einzelhandel den Holzfachhandel "aufrührte" (und heute als beispielhaft gewürdigt wird), steht jetzt die Doppelstrategie beim Vertrieb im Brennpunkt. Das sorgte auf dem Branchentag "Stoff", nachdem Hamberger - als zweiter Hersteller nach Parador - bekannt gegeben hatte, dass neben dem angestammten Holzfachhandel künftig auch der Baumarktsektor (ausschließlich OBI) mit einer begrenzten Haro-Produkt-Range beliefert wird.

Versuche, den Branchentag zu nutzen, um eine scharfe Front zwischen Fachhandels-treue und Baumarkt-"Verrätern" aufzubauen, prallten an der Mehrheit der Fachhandelsbesucher ab. Das Besucherinteresse auf den Ständen von Parador und Haro ließ im Vergleich mit dem "fachhandelstreuen" Wettbewerb keinerlei Unterschiede erkennen. Das Selbstbewusstsein im Holzfachhandel scheint gut genug entwickelt zu sein.

Gegenläufig ist allerdings die Verbandspolitik. Die Verbandsspitze des GD Holz mit Hugo Habisreutinger und Hauptgeschäftsführer Dr. Rudolf Luers vertritt weiterhin vehement die Forderung nach Fachhandelstreue, wie sie schon gegenüber Parador erhoben wurde. Habisreutinger: "Marken werden durch das Verramschen bei Groß-flächenanbietern langfristig kaputt gemacht". In seiner Eigenschaft als Groß- und Einzelhändler fügte er an: "Wir reduzieren die Zusammenarbeit mit Firmen, die die Belieferung von Baumärkten forcieren. Insgesamt wird die Entwicklung zu verstärktem Interesse an Eigenmarken im Holzfachhandel führen." Produkte von Markenherstellern in Baumärkten seien - wie Habisreutinger meint - "nur tolerierbar unter anderem Namen und in Ballungszentren ohne traditionellen Holzfachhandel".

Holzhandel erwartet mehr Nachfrage

Angesichts aktueller Umsatzentwicklung, positiver Ifo-Prognosen und politischer Aktivitäten erblickt Hugo Habisreutinger den berühmten "Silberstreif am Horizont". Die Auswirkungen einer Streichung oder Kürzung der Eigenheimzulage werden vom GD Holz relativiert: An die Stelle von Neubautätigkeit werde dann verstärkt der Wunsch nach Renovierung treten. Erste Anzeichen einer anziehenden Nachfrage seien bereits spürbar: "Nach schwachem Start in das Jahr 2003 ist der Holzeinzelhandel inzwischen immer besser auf Touren gekommen", hieß es auf dem Branchentag. Der Fußbodenbereich sei zwar von verhaltener Entwicklung gekennzeichnet, Zuwächse im zweistelligen Bereich seien aber bei Gartenholz-Sortimenten zu verzeichnen. Insgesamt wird im deutschen Holzfachhandel für 2003 mit einem Umsatzrückgang "im niedrigen einstelligen Bereich" gerechnet.

Branchentag als Trendbarometer

Die mehr als 150 Hersteller, Lieferanten, Kooperationen und Dienstleister nutzten den Branchentag für das direkte Kundengespräch und für die Vorstellung von Neuheiten, die im Hinblick auf die Domotex und das Jahr 2004 vorab getestet wurden. Dabei handelte es sich größtenteils um Ergänzungen von Kollektionen und Sortimenten. Das galt auch für Haro und Terhürne, die künftig drei verschiedene Verbindungssysteme zur Wahl anbieten, um unterschiedlichen Händler- und Handwerkerbedürfnissen zu entsprechen. Insgesamt bewies der Branchentag, dass der Trend zur stärkeren Differenzierung anhält und die Industrie darauf eingeht.

Der nächste Branchentag Holz wurde für den 20./21. Oktober 2005 in Wiesbaden angekündigt.
aus Parkett Magazin 06/03 (Wirtschaft)