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PCI Augsburg

"Im Geschäftsfeld Fußbodentechnik wollen wir unter die Top 5"

Als PCI Augsburg 1999 in das Geschäftsfeld Fußbodentechnik einstieg, war in Branche und Umfeld reichlich Skepsis zu spüren. Nach fünf Jahren ist es nun Zeit Bilanz zu ziehen: Zwei Jahre nach dem Markteinstieg lag der Umsatz bereits bei 3,5 Mio. EUR. Auch 2002 und 2003 fielen die Zuwächse mit 20 % deutlich aus. Das Jahr 2004 wird dieses Plus übertreffen: "Wir rechnen mit einem Umsatzanstieg von 30 % auf etwa 6,5 Mio. EUR", so PCI-Geschäftsführer Andreas Köllreuter.

Die Zielsetzungen sind auch weiterhin ehrgeizig: Im kommenden Jahr stehen rund 9 Mio. EUR Umsatz im Plan, was wiederum einem Plus im zweistelligen Bereich entspräche. Etwa 90 Prozent des Gesamtumsatzes werden dabei im Inlandsgeschäft erzielt.

Erfolg dank der Marke PCI

"Ein wesentlicher Erfolgsbaustein für unser Geschäftsfeld Fußbodentechnik war und ist, dass wir PCI als starke Marke aus dem Stammgeschäft in das neue Segment transferieren und uns mit den Leistungen dieser Marke auch beim Bodenleger-Kunden einen Namen machen konnten", bilanziert Andreas Köllreuter. Denn nach wie vor ist der Bereich Fußbodentechnik mit einem Anteil von knapp 5 % relativ klein im Vergleich zum gesamten PCI-Konzern.

Investitionen im Millionenbereich

In den letzten Jahren wurde kontinuierlich in Forschung, Produktion und Logistik investiert. Den Ausbau der Produktions- und Logistikanlagen sieht man zugleich als Standort-Bekenntnis für Augsburg. Auch wenn überall über Produktionsverlagerungen in billigere Länder diskutiert würde, sei dies für die PCI kein Thema. Hohe Qualitätsstandards seien nur an technisch gut ausgestatteten Standorten und mit qualifiziertem Fachpersonal zu erfüllen.

Von der gesamten Investitionssumme (2,8 Mio. EUR) entfiel knapp die Hälfte auf die Siloerweiterung einschließlich ihrer Anbindung an die bestehenden Pulverfertigungsanlagen. Rund 1 Mio. EUR kostete die neue Lagerhalle B 126 im Südwesten des PCI-Werksgeländes. Hier entstanden 1.200 neue Palettenstellplätze zur Lagerung von Rohstoffen und Verpackungen für die Dispersionsfertigung. Außerdem wurde ein Verschieberegal installiert, berichtete das Unternehmen.

PCI betreibt drei Werke in Deutschland (Augsburg, Hamm und Wittenberg) mit insgesamt vier Labors und einer großen Abteilung Messtechnik.

Beachtlich ist bei PCI im Bereich Fußbodentechnik das schmale Sortiment mit nur 35 Produkten. "Genau an dieser Strategie des übersichtlichen, aber kompletten Sortiments werden wir auch weiterhin festhalten", sagt Verkaufsleiter Thomas Prechtl.

50 % Umsatz mit drei Produkten

Mit der Universalspachtelmasse "USP 32", dem Textilbelagskleber "TKL 315" und dem Parkettkleber "PAR 362" hat PCI drei herausragende Produkte. Ihr Anteil am Absatz liegt zusammen bei 50 %. Genau beobachtet wird vor allem auch der Pulverparkettkleber: "Hier gab es eine Absatzsteigerung gegenüber 2003 um
100 %", so Klaus Theobald, Leiter Zentrales Marketing der PCI. Es stehen inzwischen mehr als 150.000 qm reklamationsfrei verlegte Fläche zu Buche.

Auch in Zukunft will PCI den Ausbau dieses Geschäftsfeldes konsequent fortsetzen. "Mittelfristig wollen wir zu den Top-5-Anbietern in der Fußbodentechnik gehören", so Andreas Köllreuter, der zugleich eine Internationalisierung des Geschäftsbereiches ankündigte. Die Verpackungen werden beispielsweise sukzessive auf Mehrsprachigkeit umgestellt. Außerdem steht bereits seit geraumer Zeit die Zielgruppe Fachhandel im Fokus. PCI will auch im Bereich Fußbodentechnik in möglichst großem Umfang den Weg über den Händler als Distributionskanal wählen.

Paletten-Logistik verbessert

Ein wichtiger Bestandteil der Neuinvestitionen beschäftigte sich mit der Logistik. Hier hatte PCI deutliche Zeiteinsparungspotenziale ausgemacht und entsprechend investiert: Die Erweiterung des Palettentransportsystems und die Installation des Logistic Execution Systems (LES) ermöglichen jetzt eine schnellere Zuweisung der Ware zu den Lager- bzw. Bereitstellplätzen. Mit großem Aufwand wurden zunächst die beiden kleineren Werke der Unternehmensgruppe in Hamm und Wittenberg auf diese SAP-Komplettlösung umgestellt. Nach der dortigen Erprobung wurde Anfang März 2004 auch das Hauptwerk in Augsburg mit dem neuen System ausgestattet. Bei dem süddeutschen Unternehmen läuft nun nach eigenen Angaben das weltweit erste LES mit dem Modul TRM (Task and Ressource Management) mit einer direkten Anbindung und Steuerung an ein Automatik-Transportsystem.

Schnittstellen zu anderen Systemen, die in der Vergangenheit immer wieder für Probleme sorgten, fallen damit weg, hob PCI hervor.

Konkret bedeutet dies, dass mit dem Einbau des Moduls ein durchgängiges Warenwirtschaftssystem bei PCI eingerichtet wurde. Die Rohstoffe und Produkte werden durch den gesamten Produktionsdurchlauf von nur einer Software erfasst und begleitet. Eingangs testet eine Palettenprüfstation die angelieferten Europaletten auf Schäden wie Leistenabstand und sortiert gegebenenfalls aus. Was angesichts eines Palettenstückpreises von rund 9 EUR auf den ersten Blick etwas übertrieben aussieht, hat im weiteren Verlauf seine Berechtigung. Die Holzpaletten sind die Basis aller weiteren Distributionsvorgänge im Werk und dienen im Grunde genommen als Briefumschlag für Produkte und Rohstoffe. Mit einem Barcode versehen transportieren sie nicht nur die Ware, sondern auch die Information über das Produkt weiter. Der Barcode, der an jeder Stelle im Produktionsprozess mittels Scanner eingesehen werden kann, enthält sämtliche Informationen über Charge, Rohstoff, Zulieferer usw. Außerdem müssen die Paletten ein Maximalgewicht bei freier Stapelung von bis zu vier Tonnen aushalten.

Lagerplätze effektiver nutzen

Gerade in der Wareneingangszone ergeben sich dank der direkten Anbindung eine Reihe von Vereinfachungen. Durch die schnellere Zuweisung von Lager- und Bereitstellplätzen reduziert sich unter anderem der Einsatz von Staplern merklich, berichtete PCI. Außerdem erhöhen sich die Lagerkapazitäten, da die Lagerplätze optimaler nutzbar sind. Immerhin müssen in Augsburg 800 unterschiedliche Produkte (exklusive verschiedener Gebindegrößen) gehändelt werden.

Bei PCI im Süden werden durchschnittlich täglich rund 50 Lkws abgefertigt. Je nach Jahreszeit schwanken allerdings die Auslieferungsmengen um bis zu 50 % - hinsichtlich der Prozessabläufe eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit. Das Werk Augsburg hat einen Anteil von 50 % an der Gesamtproduktion der Gruppe, alleine dort stehen 17.000 Palettenstellplätze zur Verfügung.

Eine Warenauslieferung innerhalb von 24 Stunden in die gesamte Bundesrepublik garantiert der Bauchemiehersteller bereits seit einiger Zeit, doch dank der Investitionen in die Logistik ist dieses Ziel jetzt einfacher zu erreichen, betonte Klaus Erdhofer, Leiter der PCI-Lieferzentren. Das LES hat eine übliche Auftragsdurchlaufzeit von zwei bis vier Stunden, danach kann die Ware auf den Weg zum Kunden gebracht werden.

Doch auch wenn sich das Unternehmen mit den Verbesserungen im Wareneingang sehr zufrieden zeigte, so gibt es dennoch weitere Optimierungspotenziale. Insbesondere im Bereich Fußbodentechnik läuft die Kommissionierung (Zusammenstellung der Produkte je nach Kundenwunsch), die immerhin für 30 bis 40 % der Aufträge notwendig ist, weitgehend manuell. Eine Alternative könnte in diesem Zusammenhang ein Kommissionierungsroboter sein, wenn sich der Stand der Technik bei diesen Systemen weiter verbessert. In einer anderen Kommissionierungshalle werden die Stapler bereits zwangsgeführt. So werden täglich rund 650 Aufträge mit ungefähr zehn Positionen rechnergesteuert zusammengestellt.

Gefahrgut-Vorschriften automatisch einhalten

Wie weit die SAP-Software in den Produktionsablauf eingreift, zeigt sich beispielsweise auch am Umgang mit Gefahrgut. Ungefähr drei Prozent der PCI-Produkte sind Gefahrgut, die in einem separaten Ex-geschüzten Raum gelagert werden. Durch die Software lässt sich nicht nur die genaue Lagermenge erfassen. Für den Fall, dass die maximal zulässigen Mengen überschritten werden, warnt das System bzw. verweigert eine weitere Einlagerung.


PCI-Gruppe - in Kürze

Die Degussa-Tochter PCI Augsburg erwirtschaftete 2004 mit rund 300 Produkten ca. 200 Mio. EUR Umsatz. Darunter waren folgende Produktgruppen:
- Fliesen-/Natursteinleger-Produkte (Marktführer)
- Bauunternehmer-/Estrichleger-Produkte
- Boden-/Parkettleger-Produkte
Exportanteil: ca. 15 %

Gesamtes PCI-Geschäft in ca. 20 europäischen Ländern (Gesamte Degussa Business Line Building Systems Europe) - Umsatz ca. 350 Mio. EUR

Herstellung und Vertrieb von bauchemischen Markenartikeln für die professionelle Verarbeitung
- Zementäre Produkte
- Dispersions-Produkte
- Reaktionsharz-Produkte
- Silikon-Produkte
- Bituminöse Produkte

Rund. 800 Mitarbeiter in Deutschland verteilt auf drei Werksstandorte:
- Augsburg 70 %
- Hamm 15 %
- Wittenberg 15 %

Mitarbeiter in den Unternehmensbereichen:
- Produktion 25 %
- Logistik 20 %
- Technik 20 %
- Vertrieb + Marketing 25 %
- Verwaltung 10 %

Kundenstruktur:

Handel
- Fliesen-Fachhandel (Stammgeschäft)
- Baustoff-Fachhandel (Stammgeschäft)
- Bodenbelags-Fachhandel (Fußbodentechnik)
- Maler-Fachhandel (Fußbodentechnik)

Handwerk
- Fliesen-/Naturstein-/Estrichleger (Stammgeschäft)
- Bauunternehmer + Bautenschützer (Stammgeschäft)
- Boden-/Parkettleger (Fußbodentechnik)

Planer
- Architektur-/Ingenieurbüros
- Bauabteilungen
aus Parkett Magazin 06/04 (Wirtschaft)