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Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie

Auf der Suche nach neuen Märkten

WUPPERTAL - Auch 2003 - und damit im dritten Jahr in Folge - blieb die erhoffte Aufschwungdynamik auf dem Absatzmarkt von Heimtextilien aus. Dabei gab das Ergebnis des 1. Halbjahres mit einem durchschnittlichen Umsatzplus von 1,7 Prozent für die Unternehmen der deutschen Heimtextilien-Industrie zunächst durchaus Anlass, auf einen ähnlichen Verlauf im 2. Halbjahr und damit letztlich auch auf ein positives Jahresergebnis zu hoffen. Leider setzte sich dieser Trend in der zweiten Jahreshälfte nicht weiter fort.

Die Umsatzeinbußen im Inland wurden größer, und auch das Exportgeschäft zeigte im August und November letzten Jahres leichte Schwächen. Per Ende November wurde somit das Umsatzergebnis des Vorjahres um 1,8 Prozent verfehlt. Problemfaktor Nr. 1 blieb unverändert die desolate Situation auf dem Inlandsmarkt. Der Verbraucher übte sich konsequent in Konsumzurückhaltung. Betroffen waren - von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen - nahezu alle Konsumbereiche, und so spürten auch die Unternehmen der Heimtextilien-Industrie diesen Trend deutlich. Das Inlandsgeschäft verringerte sich von Januar bis November 2003 um 5,5 Prozent.

Wirtschaftsmotor und konjunkturelle Stütze vieler Unternehmen war damit auch 2003 zum wiederholten Male das Exportgeschäft. Die Einzelmonatsergebnisse waren bis auf die Monate August und November positiv; jahresdurchschnittlich konnte der Exportumsatz per Ende November um 9,2 Prozent gesteigert werden. Und auch ihren Exportanteil haben die Unternehmen der deutschen Heimtextilien-Industrie 2003 weiter ausgebaut auf 28,1 Prozent.

Die strukturelle Konsolidierung der Branche setzte sich 2003 fort. Nach einer ersten Schätzung ist die Anzahl der heimtextilen Produktionsbetriebe 2003 um gut 5 Prozent auf 185 zurückgegangen, die Anzahl der Beschäftigten hat sich voraussichtlich um 7 Prozent auf 19.950 verringert.

Bettwaren

Die Umsatzentwicklung im Bereich Bettwaren - gefüllt mit Naturhaaren oder synthetischen Fasern - lief im ersten Halbjahr 2003 mit einem Wachstum von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum recht Erfolg versprechend an. Leider schwächte sich dieser Trend in der zweiten Jahreshälfte wieder deutlich ab. Per Ende November lag das jahresdurchschnittliche Umsatzergebnis mit 0,5 Prozent nur noch unwesentlich über dem Vorjahresniveau.

Die Wachstumsimpulse resultierten aus dem Exportgeschäft (8,0 Prozent). Der Exportanteil verstärkte sich auf 21 Prozent. Aber auch aus dem Inlandsgeschäft waren zunächst Wachstumsimpulse zu verzeichnen. Der November brachte dagegen deutliche Einbußen. Im Jahresdurchschnitt wurde das Umsatzergebnis des Vorjahres letztlich um 1,4 Prozent verfehlt.

Mit Sorge betrachtet wurden 2003 die Verschiebungen im Absatzkanal. Die zunehmende Bedeutung der ausschließlich Preis orientierten Discountmärkte im Vertrieb von Bettwarenprodukten ruft erhebliche Probleme im Preisgefüge des gesamten Distributionssystems hervor. Der Handel strebt zunehmend in Richtung Realisierung möglichst niedriger Durchschnittspreise. Beim Hersteller führen diese Strukturveränderungen zu einem gravierenden Konditionendruck seitens der Abnehmerschaft.

Spitzen und Stickereien

Auch der Markt für Spitzen und Stickereien verengte sich im letzten Jahr. Das Inlandsgeschäft entwickelt sich rückläufig; die Branche ist zur Kompensation gezwungen und verstärkt daher ihr Engagement auf den Auslandsmärkten. Wichtigste Auslandsmärkte sind neben den Ländern der EU auch weiterhin der asiatische Raum sowie die USA.

Die Produkte der vogtländischen Spitzen- und Stickereiindustrie zeichnen sich durch eine besonders hohe Wertigkeit aufgrund ihres ausgeprägten Qualitätsanspruchs aus. Die Marke "Plauener Spitze" bürgt hierfür. Die Branche intensiviert kontinuierlich ihre Anstrengungen zur Förderung der Marke mit dem Ziel einer positiven Resonanz auf in- und ausländischen Märkten.

Ausblick

Die Mehrzahl der Ökonomen rechnet für dieses Jahr mit einem gesamtwirtschaftlichen Aufschwung. Tritt dieser Aufschwung dann auch tatsächlich ein, so tauchen möglicherweise auch wieder erste positive Impulse in der Konjunktur der Heimtextilien-Branche auf. Auf breiter Ebene wird sich diese Entwicklung erfahrungsgemäß erst mit einem gewissen Zeitverzug auswirken.

Primär entscheidend ist jedoch, ob der aktuelle Reformprozess und damit verbunden auch die anstehenden Steuerentlastungen tatsächlich in der Lage sind, direkt die dringend erforderliche Ankurbelung der Inlandsnachfrage zu bewirken. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass neben den aktuellen realwirtschaftlichen Faktoren das psychologische Element -- d.h. das mangelnde Vertrauen der Unternehmer und Verbraucher, welches zu einer übermäßigen Investitions- und Konsum-Zurückhaltung führt - gestärkt und zurück gewonnen werden muss.

Die deutsche Heimtextilien-Industrie stellt sich daher auch für 2004 auf erschwerte Marktbedingungen ein. Schwierige Zeiten beinhalten jedoch auch eine Reihe an Chancen, frei nach dem Motto "Not macht erfinderisch". Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind die Unternehmen gefordert, von ihrer alltäglichen Routine abzuweichen und neue Wege zu beschreiten, Geschäftskonzepte zu überdenken und Ideen umzusetzen.

Erfolgreiche Unternehmen der Heimtextilien-Industrie haben dies erkannt. Ihre innovativen Produkte und Vermarktungskonzepte stoßen auf fruchtbaren Boden. Damit verbunden ist auch die permanente Suche nach neuen Märkten - und dies weltweit. Die deutsche Heimtextilien-Industrie wird auch in diesem Jahr verstärktes Engagement auf den Ausbau ihrer Exportaktivitäten setzen und Chancen der Markterschließung wahrnehmen.
aus Haustex 02/04 (Wirtschaft)