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Umsatz leicht, Gewinn überproportional zugelegt

Tarkett Sommer profitiert von Osteuropa-Aktivitäten

Sintelon hat's herausgerissen: Das Osteuropa-Joint Venture von Tarkett Sommer sorgte 2002 für exorbitanten Zuwachs in dieser Region und kompensierte damit massive Einbußen in den Kernmärkten Frankreich und vor allem Deutschland, sowie ein paritätsbedingtes Minus in Nordamerika. Unter dem Strich liefert der Konzern mit einem kleinen Umsatzplus, überproportionaler Gewinnsteigerung und weiterem Schuldenabbau eine "befriedigende Performance" ab, wie es Vorstandschef Marc Assa formuliert. 2003 will er nicht nur intern, sondern auch extern zulegen - durch Expansion in neue Märkte, eventuell auch neue Produkte und Akquisitionen.

Bei Tarkett Sommer hat sich 2002 die Entwicklung des Vorjahres fortgesetzt: ein kleines Umsatzplus, eine überproportionale Ertragsverbesserung und weiterer Schuldenabbau. Vorstandsvorsitzender Marc Assa wertete dies bei der Bilanzpresskonferenz als "befriedigende Performance angesichts der schlechten Rahmendaten". Tatsächlich resultiert der Umsatzzuwachs allein aus dem Beitrag des Osteuropa Joint-Ventures mit Sintelon. Bei konstanten Wechselkursen und vergleichbarer Struktur liegen die Gruppenerlöse dagegen um 0,4% unter dem Vorjahr. Dies ist vor allem eine Folge der schwierigen Branchenbedingungen in wichtigen Kernmärkten wie Frankreich und Deutschland.

Während sich die Einbußen in Frankreich mit -3,4 auf 233 Mio. EUR noch im Rahmen halten, ist Tarkett Sommer in Deutschland mit -15,3% auf 111,7 Mio. EUR regelrecht abgestürzt. Assa macht dafür die Marktschwäche verantwortlich - vor allem im Handel, wo das Unternehmen auch deutlich mehr verlor als im Objekt -, erschwerend hinzu komme der "extreme Wettbewerbs- und Preisdruck". Das erste Halbjahr 2002 war nach Assas Aussage geradezu "dramatisch schlecht", zum Jahresende hin habe sich dann eine Entspannung abgezeichnet, die aber keine nachhaltige Besserung mehr bringen konnte.

In Nordamerika erzielte der international agierende Bodenbelagskonzern bei vergleichbaren Wechselkursen zwar eine Umsatzsteigerung von 2,4% die durch die schlechte Dollar/Euro-Parität aber nicht nur aufgezehrt, sondern sogar in ein Minus von 3,9% verwandelt wurde. Einziger Lichblick waren die Osteuropa-Aktivitäten, die ihre dynamisches Wachstum mit +49,3% auf 141 Mio. EUR fortsetzen und damit bereits 10% der Gruppen-Umsätze ausmachen. "Das bestätigt unser Engagment auf diesen Märkten" - zumal sie sich mit einer EBITA-Marge von 20% auch als besonders lukrativ darstellen.

Ebenso uneinheitlich wie in den einzelnen Regionen war der Geschäftsverlauf in den verschiedenen Produktgruppen. Die Umsätze im Kernbereich der elastischen Beläge blieben bei aktuellen Wechselkursen stabil - wiederum Sintelon zu verdanken - bei vergleichbarer Struktur und Wechselkursen schrumpften sie um 2,6%. Bei textilen Belägen musste Tarkett Sommer einen Rückgang von 2,5% hinnehmen. Die Holz-Umsätze zogen in Nordamerika dank einer Innovations-Offensive an, jedoch drückten die ungünstigen Währungsparitäten auf die Erlöse, die deshalb um 1,2% hinter dem Vorjahr zurückblieben. Bei Laminat ging es dagegen weiter voran, wenn auch mit gebremsten Schwung: Der Zuwachs lag mit +19,3% auf 57,9 Mio. EUR aber immer noch im zweistelligen Bereich.

Zufrieden äußerte sich Assa über die finanzielle Verfassung des Konzerns. Das EBITA (= operative Ergebnis) konnte mit 93,2 Mio. EUR um fast 9% gegenüber dem Vorjahr erhöht, die Verschuldung um 79 Mio. EUR auf 301 Mio. EUR gesenkt werden. "Zuzüglich des 36 Mio. EUR-Kaufpreises für Sintelon". Das gute Ergebnis führt Finanzvorstand Michel Cognet auf "weitere Erfolge bei der Produktivitätssteigerung" und "außerordentliche Ergebnisbeiträge der Objektdivision" sowie den "stark reduzierten Finanzaufwand" zurück. Das wirkte sich wiederum positiv auf das Netto-Ergebnis aus, der von 19,3 auf 29,9 Mio. EUR anzog.

Für 2003 lautet die Erwartung des Tarkett Sommer-Vorstandes genauso wie für 2002: gar keins oder nur moderaten Umsatzzuwachs und wieder eine markante Ertragsverbesserung. Nach dem ersten Quartal liegt die Gruppe genau im Plan: Der Netto-Umsatz reichte per 31. März mit 334 Mio. EUR (-0,2%) knapp an das Vorjahr heran, das EBITA übertraf mit 25,8 Mio. EUR (+13,2%) klar das Vorjahr, der Netto-Ertrag stieg überproportional um 43% auf 9,3 Mio. EUR.

Dabei waren die Umsätze in Nordamerika rückläufig (-17,7%), in Westeuropa (+3,4%) und Osteuropa (+63,9%) dagegen zulegen. Nach Produktgruppen aufgeteilt verbesserten sich elastische Beläge leicht um 0,7 %, Holz verlor -4,6%, Laminat gweann 7,5% hinzu.

Insgeheim ist Assa aber ehrgeiziger als seine eher vorsichtige Prognosefür 2003; er strebt nicht nur internes Wachstum an, unter anderem durch mehr Kundennähe, sondern auch externes - und zwar auf verschiedenen Feldern:
- erstens durch Akquisitionen, "für die sich in nächster Zeit Möglichkeiten in Asien, Nordamerika, eventuell auch in Europa ergeben könnten",
- zweitens durch die Erschließung neuer Märkte wie Mexiko oder auch China, Malaysia, Indonesien und Taiwan, wo Potenzial für Objektbeläge in einem Umfang von 40 bis 50 Mio. EUR gesehen wird und
- drittens durch die Forcierung bestimmter Segmente wie Linoleum, das weltweit eingeführt werden soll; darüber hinaus wird auch aufmerksam die Entwicklung in Nordamerika beobachtet, wo immer mehr marktstarke Anbieter wie Mannington oder Armstrong ein Vollsortiment einschließlich keramischer Beläge aufbauen - das könnte sich Assa auch für Tarkett Sommer vorstellen, zum Beispiel als Produktions-Joint Venture "in ähnlicher Form wie bei Laminat, aber nur für die USA".

Nicht zuletzt biete Osteuropa noch hervorragende Chancen. Tarkett Sommer ist überzeugt, dass der dortige Markt auch künftig "stürmisch wächst" und will auf jeden Fall von diesem Aufschwung partizipieren. Dazu wird weiter in die Region investiert. Nachdem man sich zunächst mit elastischen Handelsbelägen in Ballungsgebieten etabliert hat, soll die Distribution jetzt auf ländliche Regionen ausgedehnt und zudem in die Produktion von Objektbelägen eingestiegen werden. Dazu gebe es durchaus Möglichkeiten ohne Neu-Investitionen, sagte Assa mit Verweis, auf "einige vorhandene Fabriken, die stillstehen" und ließ durchblicken, dass das Terrain bereits entsprechend sondiert worden ist.
aus BTH Heimtex 05/03 (Wirtschaft)