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Interview mit Frans De Cock, Bernard Thiers, Stefan Moriau, Karl-Heinz Hausberg

"Nicht verzetteln, sondern auf die Kernkompetenz Laminatboden konzentrieren"

Wie wird sich die Laminatbranche weiter entwickeln? Welche Rolle spielt Unilin dabei? Darüber sprach Henrik Stoldt für BTH Heimtex mit den beiden Unilin-Geschäftsführern Frans De Cock und Bernard Thiers, Entwicklungschef Stefan Moriau und Deutschland-Vertriebsleiter Karl-Heinz Hausberg.

BTH Heimtex: Für die Laminatbranche sind die goldenen Zeiten vorbei. Inzwischen wird mit immer härteren Bandagen am Markt gekämpft. Sie leisten sich trotzdem beträchtliche Investitionen. Macht Ihnen die Wirtschaftsflaute nicht zu schaffen?

Frans De Cock: Natürlich spüren auch wir die schwache Wirtschaftslage. Unsere Kapazitäten sind nicht kontinuierlich ausgelastet, mal läuft mehr, mal weniger auf den Maschinen. Wobei wir die Produktionsgeschwindigkeit nicht verringern, sondern statt fünf dann eben nur vier oder gar drei Schichten fahren.

BTH Heimtex: Wie hoch sind denn Ihre Kapazitäten aktuell?

De Cock: Im Werk Wielsbeke sind 50 Mio. qm das Ende der Möglichkeiten; aber bei unserer Tochter Decolam in Moeskroen werden wir bis zum Jahresende die Pressen- und Fräsenkapazität verdoppeln.

Die Plattenkapazität in unserem französischen Werk beträgt 500.000 Kubikmeter. So viel brauchen wir selber nicht und beliefern daher auch andere Hersteller damit.

Aber ich wollte noch etwas zur Situation in der Branche hinzufügen: Früher war es auch einfacher voraus zu sehen, was im kommenden Jahr gefragt ist. Das Geschäft ist viel komplexer geworden. Innovationen bieten nur kurzfristigen Vorteil. Nach drei Monaten hat sie der Wettbewerb nachgemacht. Dabei ist im übrigen auch eine flexiblere Herstellung gefragt. Anlagen, die nur ein Format produzieren können, gehören der Vergangenheit an.

Aber wir sind dennoch insgesamt nicht unzufrieden, zumal wir Wachstum sowohl in der Menge als auch im Umsatz haben.

BTH Heimtex: Das kann nicht jeder von sich behaupten. Was machen Sie denn besser oder anders als andere bzw. was machen die falsch?

De Cock: Ich glaube, dass zum Beispiel manchmal personelle Fehlentscheidungen getroffen werden. Entwicklungsingenieure haben Ideen und die kosten Geld - und wenn die Ideen dann nicht funktionieren....

BTH Heimtex: Wir haben bei Ihnen auch schon Produkte gesehen, die ganz schnell wieder verschwunden sind - etwa den Laminatboden im Fischgrat-Muster auf der letzten Domotex...

De Cock: Ja, wir können dieses Muster herstellen, sehen dafür aber keinen Markt. Die Produktion von Neuheiten lohnt sich erst ab einer Jahresmenge von 1 bis 2 Mio. qm. Letzlich entscheidet der Verbraucher über die Existenzberechtigung eines Produktes.

Zurück zu Ihrer Frage. Kritisch sehe ich auch Hersteller, die aus strategischen Gründen Kleinmengen produzieren - zum Teil unter 1 Mio.qm jährlich - sei es, um in den Markt hinein zu kommen oder als Ergänzungsprodukte. Dabei setzen sie Geld zu. Das macht doch keinen Sinn. Überhaupt meine ich, man soll sich nicht verzetteln.

BTH Heimtex: Das heißt, Sie konzentrieren sich voll auf Laminat...

De Cock: Ja. Wir müssen nicht alle Bodenbeläge aus einer Hand bieten. Dieses Konzept verfolgen andere. Das Problem ist nur, dass man nicht in allen Bereichen der Beste sein kann. Und wir wollen lieber oben im Laminatboden mitspielen.

Wir haben eine Pyramidenstruktur in der Branche mit einer schmalen Spitze an hochwertigen Markenprodukten, einer Mittelschicht und einem breiten Unterbau an Preiswert-Produkten. Die Mittelschicht hat am meisten zu kämpfen, weil sie mit den Billigprodukten preislich nicht mithalten kann und ihr der Aufstieg in die Spitzenklasse genauso verwehrt ist. Das wirkt sich natürlich auch auf die Industrie aus.

BTH Heimtex: Die Folge sind Pleiten...

De Cock: Das kann eine Folge sein. Wobei gerade die Insolvenzen in Deutschland den Markt nicht bereinigen, weil die Unternehmen nach dem Insolvenzrecht weiter bestehen bleiben können. Sie operieren dann oft mit Niedrigpreisen am Markt, was wiederum die anderen Anbieter schwächt.....

BTH Heimtex: Ihre Quick Step-Range zählt nicht zur Billigware. Ist man ab einer gewissen Größenordnung nicht zu Preiswert-Produkten gezwungen, um eine Grundauslastung der Maschinen zu gewährleisten?

De Cock: Wir können und wollen nicht die Billigsten sein. Unsere Strategie ist vielmehr, in jedem Land einen nennenswerten Marktanteil zu erzielen. Nehmen Sie beispielsweise Polen: Dort werden 90% des Laminatbodens zu einem Quadratmeterpreis unter 10 EUR verkauft. Das ist nicht unser Geschäft - aber an dem restlichen Absatz, der ca. 1,5 Mio. qm ausmacht, wollen wir teilhaben.

In zwei bis drei Jahren wird sich die Branche ohnehin in zwei Lager gespalten haben: auf der einen Seite Massenware für die Großfläche, auf der anderen qualitativ anspruchsvolle Produkte auf der Grundlage des Registerdrucks.

BTH Heimtex: Sie sagten vorhin, Sie hätten in Umsatz und Menge zugelegt. Im deutschsprachigen Raum und weiter Richtung Osten haben Sie trotz mehrerer Anläufe immer noch Nachholbedarf...

Karl-Heinz Hausberg: Das wird sich ändern. Wir haben hier einiges angestoßen. Mittlerweile beschäftigen wir sechs Außendienst- Mitarbeiter in Deutschland und gehen gezielt den Bodenbelagsgroßhandel und den Holzhandel an. Erste Erfolge zeichnen sich auch schon ab: So haben wir Kontakte mit dem Holzring und der Hagebau aufgenommen - allerdings nicht mit der Baumarktschiene, sondern mit einigen Stützpunkthändlern. Ich freue mich auch, dass wir die Hamburger Mega als Partner gewinnen konnten und mit ihr eine Landhaus-Kollektion aufgelegt haben.

BTH Heimtex: Nun profitieren Sie nicht nur von den eigenen Vertriebserfolgen, sondern auch von denen Ihrer Lizenznehmer. Die Lizenzeinnahmen dürften sich inzwischen ganz schön summieren....

Bernard Thiers: Schon, aber mit unserer eigenen Marke Quick Step machen wir viel mehr Umsatz als mit den Lizenzgebühren.

Zur Zeit haben wir 35 Lizenznehmer und es werden noch einige dazu kommen.

BTH Heimtex: Manchmal scheint es so, als seien bei der Gestaltung des Laminatbodens jetzt alle Möglichkeiten ausgereizt. Stoßen wir tatsächlich allmählich an die Grenzen oder wo gibt es noch Innovationspotenzial? Woran arbeiten Sie?

Thiers: Formate und Oberflächen sind momentan die vorrangigen Themen, an denen gearbeitet wird. Beide Parameter werden an das Dekor angepasst. Dazu gehört auch die perfekte Ausarbeitung einer Fase.

Allgemein sehen wir eine Entwicklung hin zu anspruchsvollen, durchaus auch hochpreisigeren Produkten, mit denen Großhandel und Handwerk wieder Geld verdienen können.

Das verlangt natürlich Investitionen seitens der Industrie. Für die neuen schmale Laminatelelemente mit 100 mm Breite, kleinen Fasen und verschiedenen Formaten auf einer Produktionslinie braucht man Technologien und Maschinen. Das können sich nur Unternehmen mit der nötigen Kapitalkraft leisten. Wer nicht darüber verfügt, wird kurz über lang vom Markt verschwinden.

BTH Heimtex: Noch eine letzte Frage zu Ihrer Dekor-Politik - Warum sieht man bei Ihnen keine Fantasie-Dekore?

Stefan Moriau: Solche Entwicklungen müssen zum Format der Paneele passen. Außerdem verlangen sie eine sorgfältige Verlegung. Das macht die Zielgruppe kleiner. Wir haben sogar auf unsere Dekorwürfel verzichtet und sind stattdessen auf Folienquadrate umgestiegen, die man als Gestaltungselement einfach auf den Laminatboden kleben kann.
aus BTH Heimtex 10/03 (Wirtschaft)