ePrivacy and GPDR Cookie Consent by CookieConsent.com

Vorwerk & Co. Teppichwerke GmbH & Co. KG

Vorwerk und Infineon entwickeln "intelligenten" Teppichboden

Teppiche mit integrierter "Intelligenz" könnten schon Ende 2004 Wirklichkeit werden. Vorwerk hat darüber mit Infineon Technologies einen Kooperationsvertrag geschlossen. Beide Unternehmen arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung einer marktfähigen Lösung. Das Konzept zur Integration von Mikroelektronik in textilen Flächen, bei dem Bodenbeläge ein sich selbst organisierendes Netzwerk von Chips enthalten, hatte Infineon erst im Mai diesen Jahres vorgestellt. Vorwerk ist der erste Partner aus der Textilindustrie, mit dem Infineon dieses Konzept in der Praxis umsetzen will.

Der "intelligente" Teppichboden ist äußerlich nicht von herkömmlichen Qualitäten zu unterscheiden - doch unterhalb des Pols ist modernste Mikroelektronik eingebaut. Auf diese Weise können die Mikrocontroller/ Sensor-Funktionen Druck, Temperatur und Vibration überwachen. "Die Hauptprobleme liegen dabei in der Belastbarkeit der Mikrochips bzw. in ihrer Integration in den Teppichboden", sagt Thomas Weber, Marketingleiter bei Vorwerk. Sowohl Tufting- als auch Webware ist geeignet.

Der Abstand der Mikrocontroller zueinander kann je nach Anforderung beliebig gewählt werden: Die integrierten Sensoren können beispielsweise als Berührungsmelder oder in Form von LED-Bildschirmen als Anzeigeelemente dienen.

Die Einsatzfelder einer solchen Entwicklung sind vielfältig:

- Ein mit diesen Chips ausgestatteter Teppichboden kann so zum Bewegungs- oder Feuermelder werden.
- Integrierte Leuchtdioden können den High-Tech-Teppich zum Leitsystem in öffentlichen Gebäuden machen, um Besucherströme zu steuern.
- Fluchtwege können flexibel gekennzeichnet werden.
- In Alten- und Pflegeheimen können Stürze von Bewohnern schneller als bisher bemerkt werden.

Den "intelligenten" Textilien entgeht kaum etwas

Die Mikroelektronikmodule in dem Konzeptdemonstrator eines "intelligenten" Bodenbelags sind schachbrettartig in die textile Struktur integriert. Jeder Chip ist mit seinen vier angrenzenden "Nachbarn" durch elektrisch leitfähige Fäden verbunden, so dass ein Netzwerk für den Informationsfluss entsteht. Die Informationen werden von einem Chip zum nächsten weitergegeben und können über eine Datenschnittstelle an verschiedene Systeme wie Brandmelder, Alarm- oder Klimaanlagen übertragen werden: So kann etwa ein "intelligenter" Teppichboden der Alarmanlage melden, wo sich eine Person in einem Raum aufhält oder in welche Richtung sie geht.

Stabile Funktionsfähigkeit durch Selbstorganisation

Die Chips sind über haarfeine Signal- und Datenleiter miteinander verbunden, die in ein Trägergeflecht eingewoben sind. Dieses Verbindungsgewebe kann die Basis- oder eine Zwischenlage des Teppichbodens bzw. jedes anderen textilen Materials sein.

Jeder Chip kommuniziert über ein selbst-lernendes bzw. -organisierendes Netzwerk mit seinen direkten Nachbarn und ermittelt mit einem Software-Algorithmus seine eigene Position. Ist ein Element des Netzwerkes defekt, suchen sich die Chips automatisch neue Wege, um die Kommunikation aufrecht zu erhalten.

Da die Koordinaten im Chip gespeichert werden und sich das gesamte Teppich-Netz selbst organisiert, beeinträchtigt ein ausgefallenes Halbleiterelement oder eine zerstörte Verbindung die Funktionsfähigkeit nicht. Der Teppich kann beim Verlegen wie bisher auf eine bestimmte Fläche oder gewünschte Form zugeschnitten werden. Der Informationsfluss wird schließlich über eine Datenschnittstelle an bestehende Systeme, wie die Alarm-, Klimaanlage oder EDV angeschlossen.

"Für den Einsatz in der Praxis benötigt man eigentlich nur noch einen Strom- und einen Datenanschluss", erläuterte Dr. Werner Weber, Leiter des Bereichs Emerging Technologies von Infineon Technologies. "Diese innovative Technologie zur Integration von Mikroelektronik in textilen Flächen soll zusammen mit Kooperationspartnern aus der Textilindustrie in zwei Jahren zu einem funktionsfähigen und großflächigen "intelligenten" Gewebe weiterentwickelt werden."

"Mit Vorwerk konnten wir einen der wichtigsten Anbieter aus dem Bereich textiler Bodenlösungen als Partner gewinnen", freut er sich. "Wir werden nun in einem gemeinsamen Forschungsprojekt an der Realisierung erster Demonstratoren arbeiten, die dann schnellstmöglich den Weg aus den Labors in die textile Fertigung finden sollen."

Auch bei Vorwerk ist man von dem Projekt überzeugt. Rolf Schaal, Vorsitzender der Geschäftsführung: "Wir gehen mit dieser Partnerschaft völlig neue Wege in der Teppichindustrie. Seit jeher ist es unsere Stärke, sich wandelnde Kundenbedürfnisse und Marktveränderungen vorauszusehen oder schnell darauf zu reagieren."

Beim Thema "intelligente" Teppiche hat Vorwerk, die für dieses Projekt einen siebenstelligen Etat vorgesehen haben, sehr schnell die Zeichen der Zeit erkannt. Schaal: "Wir sind davon überzeugt, das die Integration von Mikroelektronik in Textilien ein weiterer bedeutender Schritt in diese Richtung sein wird."
aus BTH Heimtex 07/03 (Sortiment)