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Schadensfälle bei der Montage von innenliegendem Sonnenschutz

"Nicht nur leichtes Schüsseln, sondern Wellenbildung"


Bei der Montage oder der Konfektion von Flächenvorhängen, Horizontaljalousien, verspannten Plissees oder Wabenplissees kann es zu Schadensfällen kommen. Im Interview mit BTH Heimtex gibt Klaus Zinke, Fachbereichsleiter Sonnenschutz sowie Deko- und Gardinenstoffe im Bundesverband der vereidigten Sachverständigen für Raum und Ausstattung (BSR) Auskunft über die gängigsten Risiken und Probleme.

BTH Heimtex: Herr Zinke, als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger werden Sie häufiger mit Schadensfällen bei Flächenvorhängen konfrontiert. Welche Mängel gibt es?

Klaus Zinke: Die größte Problematik zeigt sich bei individuell gefertigten Flächenvorhängen mit fließenden Stoffen aus den Ateliers der raumausstattenden Firmen. Es werden sehr oft aus Unkenntnis Materialien verwendet, die ungeeignet sind, so dass es nicht nur zu einem leichten Schüsseln der Bahnen kommt, sondern auch zu richtiger Wellenbildung.

Viele Endkunden haben jedoch das glatte Erscheinungsbild eines Flächenvorhangs vor Augen, wie sie es von Darstellungen aus Zeitschriften kennen. Hier fehlt dann vielfach die Aufklärung des Verbrauchers, die oft auch aus Umsatzdruck gescheut wird. So bleibt das Risiko einmal mehr beim Verarbeiter, der nur durch viel Erfahrung vor der falschen Stoffwahl geschützt ist. Denn selbst in ausgewiesenen Flächenvorhang-Kollektionen werden Artikel mit nur bedingter Eignung angeboten. Die Folge ist, dass je nach Produkt Beuligkeit, Welligkeit, abweichender Musterverlauf und Verzug auftreten können.

Im Vergleich dazu macht der Flächenbehang, wie er von den Sonnenschutz-Herstellern auf den Markt gebracht wird, selten Probleme. Die einzelnen Bahnen sind oft aus beschichteter oder appretierter Ware gefertigt und werden meist ohne Seitensäume verarbeitet.

An die individuelle Stoffkonfektion aus dem Nähatelier können also kaum die gleichen Anforderungen gestellt werden wie an ein Fertig- oder Halbfertigprodukt. So muss der Sachverständige im Fall einer Beurteilung zu einer klaren Einschätzung darüber kommen, ob der zu begutachtende Flächenvorhang als Sicht- und Sonnenschutz zu beurteilen ist oder als reine Fensterdekoration. Erst dann kann ein Maßstab an die Ausführung gelegt werden. Es muss das Ziel sein, eine angemessene allgemeingültige Beurteilung von individuell gefertigten Behängen zu finden. Der Stand der Technik für diese Art von Flächengardinen muss zeitnah festgelegt werden. Es ist sicher zielführend, wenn auch eine neue Begrifflichkeit gefunden wird, zum Beispiel Flächengardine für individuell gefertigte Flachbahnen.

BTH Heimtex: Bei der Montage verspannter Plissees und Wabenplissees kann Glasbruch auftreten. Wie lässt sich der Schaden vermeiden und muss der Lieferant dafür haften?

Zinke: Bei der Glasfalzmontage von Plissee-Systemen sollte auf eine ausreichende Luftzirkulation geachtet werden. So wird ein Hitzestau vermieden und damit das hohe Risiko für einen Glasbruch. Die Probleme können aber bereits bei der Fabrikation des Glases liegen, beim Einbau und beim Transport. Ein besonderes Risiko sind mikroskopisch kleine Einkerbungen und Risse an der Scheibe, die letztendlich zu einem thermischen Glasbruch führen können.

Lieferanten haften nicht bei falschen Maßangaben oder falschem Einbau von Anlagen jeglicher Art. Wenn zum Beispiel Abstände bei einer Plafondmontage nicht eingehalten werden und ein thermisch bedingter Glasbruch entsteht, so kann das kein Problem der Zulieferer sein. Den Stand der Technik zu kennen und die Montage nach der Regel des Fachs auszuführen, obliegt der Montagefirma. Das gilt auch für die Materialauswahl und Dimensionen.

BTH Heimtex: Welche Schwierigkeiten gibt es bei Horizontaljalousien?

Zinke: Es treten Toleranzen auf. Elektrisch betriebene Jalousetten stehen hier im Vordergrund. Total gleichlaufende Motoren können nicht allgemein als Stand der Technik angesehen werden. Dieser Anspruch lässt sich auf Kundenwunsch erfüllen, ist aber mit einem stark erhöhten Aufwand verbunden, mit dem Einsatz besonderer Motoren und Steuerungen.
aus BTH Heimtex 04/13 (Wirtschaft)