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Interview mit Johannes Schulte, neuer Vorsitzender des Heimtextilien-Verbandes

"Ich kann einiges bewegen"


Johannes Schulte ist wieder Vorsitzender des Heimtextilien-Verbandes. Mit dem Geschäftsführer der Vorwerk Teppichwerke sprach BTH Heimtex-Redakteurin Birgit Genz am Rande der Jahrestagung des VDHI über seine Ziele, die Zukunftsperspektiven der Branche und einen möglichen Umzug des Verbandes nach Berlin.

BTH Heimtex: Herr Schulte, warum haben Sie nach zwei Jahren Pause wieder für den Verbandsvorsitz kandidiert?

Johannes Schulte: Vor sechs Jahren bin ich zum ersten Mal zum Vorsitzenden des Heimtex-Verbandes gewählt worden. Nach zwei Amtszeiten musste ich aus privaten Gründen auf eine weitere Kandidatur verzichten. Inzwischen hat sich meine Situation geändert und weil ich glaube, noch einiges bewegen zu können, habe ich mich jetzt wieder zur Wahl gestellt.

BTH Heimtex: Welche Ziele haben Sie für Ihre dritte Amtsperiode?

Schulte: Der Verband ist sehr gut aufgestellt. Wir haben tolle Mitarbeiter, gute Referenten, ein hervorragendes Finanzgerüst. Aber durch die wirtschaftliche Situation ist die Zahl der Firmen im heimtextilen Bereich geschrumpft. Daher müssen wir strategische Überlegungen anstellen, wie der Verband seine Leistungsfähigkeit beibehalten kann. Eine Option wäre beispielsweise eine engere Zusammenarbeit mit einer starken Organisation wie Gesamttextil. Nur so können wir öffentliche Relevanz erlangen und Einfluss auf die Politik gewinnen.

BTH Heimtex: Gesamttextil hat seinen Sitz in Berlin. Steht ein Umzug Ihrer Geschäftsstelle an?

Schulte: Sich damit zu beschäftigen, liegt nahe. Das Kriterium kann nicht sein, ein Büro möglichst kostengünstig zu betreiben. Sondern es geht darum, welche Option die beste Perspektive für die Verbandsarbeit in den nächsten fünf Jahren bringt.

BTH Heimtex: Wie schätzen Sie insgesamt die Zukunftsperspektiven der Branche ein?

Schulte: Sie ist eine alte Branche, aber sie hat ihre Innovationskraft nicht verloren. Mit neuen Produkten, frischen Ideen für die Vermarktung und veränderten Prozessen kann man auch heute noch erfolgreich sein. Neue Farben in der Kollektion sind allerdings keine Innovation, sondern Variation. Aber wer sich als Unternehmer ernsthaft mit Veränderungsprozessen auseinandersetzt und dabei nicht vergisst, die Belegschaft mitzunehmen, der kann auch in diesen schwierigen Zeiten bestehen.

BTH Heimtex: Fragt man in der Branche nach Johannes Schulte, reichen die Charakterisierungen von "erfolgreich", "visionär", "sympathisch" und "er kann alles" bis zu "abgehoben" und "ist die Treppe zu schnell hochgefallen". Das ist ein breites Spektrum. Wie sehen Sie sich selbst?

Schulte: Ich weiß zwar nicht, mit welcher Geschwindigkeit man die Stufen erklimmen muss, aber ich werde immerhin schon 57. Aber Spaß beiseite: In irgendeiner Form wird wohl an allem etwas dran sein. Dass ich ein großes Selbstbewusstsein habe und in unserer Firma Dinge bewegt habe, die am Ende sehr erfolgreich waren, stimmt natürlich. Für Neuausrichtungen und Umstrukturierungen braucht man auch eine Vorstellung von der Zukunft. Wenn das visionär ist, höre ich es sehr gerne. Dass man bei solchen Veränderungen eine gewisse Härte an den Tag legen muss, liegt auf der Hand.
aus BTH Heimtex 01/13 (Wirtschaft)