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Biederlackborbo

125 Jahre Wohndecken aus Greven

Im Jahr 1887 legt Kaiser Wilhelm I. den Grundstein für den heutigen Nord-Ostsee-Kanal. In Paris entsteht im gleichen Jahr der Eiffelturm und in den USA wird das erste Grammophon der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Und in Greven gründet Ignatz Hermann Biederlack die Hermann Biederlack GmbH. 125 Jahre später begeht das Unternehmen, heute der europäische Marktführer für Wohndecken, sein Jubiläum in festlichem Rahmen.

Das Grevener Unternehmen Hermann Biederlack gehört zu den wenigen Konstanten in der Geschichte der Stadt und der Textilbranche. Es wird inzwischen in vierter Generation von der Familie Biederlack geführt, in Person der Gesellschafterinnen Lotty Biederlack und Dr. Julia Biederlack. Und bis heute produziert das Unternehmen ausschließlich am Firmensitz, darüber hinaus sogar vollstufig. Was sich allerdings geändert hat, ist der Gegenstand des Unternehmens. Gegründet wurde es von Ignatz Hermann Biederlack als Hersteller von Scheuertüchern, Packdecken und Unterröcken. Heute verlassen hochwertige Wohndecken das Werksgelände, um in Deutschland und aller Herren Länder verkauft zu werden.

Das Unternehmen nimmt für sich in Anspruch, das weltweit einzige zu sein, das Wohndecken in einer so hohen Qualität und Vielfalt herstellt, und sich obendrein allein auf das Produkt Wohndecke konzentriert. Ob Decken mit Reliefcharakter und dreidimensionaler Optik, waschbare Naturhaardecken, gewebte Mikrofaser-Decken oder neuartig eingefasste Baumwoll-Dralon-Decken. Der Wohndecken-Hersteller agiert unter dem Namen Biederlackborbo, 2008 wurde außerdem die Fachhandelsmarke Bocasa ins Leben gerufen.

Inzwischen entstehen allerdings nicht mehr alle Biederlack-Decken in Greven, trotz einer hoch effizienten und rationellen Produktion. Vliesdecken für die unteren Preislagen werden aus dem Ausland zugekauft. Auf der anderen Seite des Preisspektrums werden hochwertige Plaids aus Italien zugekauft, da das Unternehmen diese Herstellungstechnik mit seinem Maschinenpark nicht realisieren kann. Dennoch verlassen im Jahr nach Angaben des Geschäftsführers Dr. Michael Ottenjann rund zwei Millionen Decken das Werk in Greven. Ottenjann leitet das Unternehmen seit 2000, seit 2009 unterstützt ihn Ralf Rensmann in der Geschäftsführung in den Bereichen Controlling, Rechnungswesen und IT.

Der hohe Anteil der Eigenfertigung in Greven ist einerseits durch die rationelle Produktion möglich, andererseits durch die hohe Fertigungstiefe. Das Unternehmen bekommt die Rohware (Baumwolle und Polyacryl) in großen Ballen geliefert, deren Fasern zuerst gefärbt werden. Die so genannten Kuchen werden danach dem Spinnprozess zugeführt. Die Weberei besteht aus Jacquard-Maschinen, die es ermöglichen, auch kleinere Losgrößen ab etwa 200 Decken zu produzieren. Nach der Weberei erfolgen die Rauherei der Meterware und das Scheren, um eine gleichmäßige Oberfläche zu erhalten. Zuletzt kommt die Konfektion der Decken und ihre automatische Verpackung.

In der jüngeren Vergangenheit waren zwei Entscheidungen von großer Bedeutung für das Traditionsunternehmen. Die erste war 2006 die Übernahme des Mitbewerbers Geiger, Borgers mit seiner Marke Borbo. Bis dahin stand Biederlack eher in dem Ruf, ein Lieferant der Großfläche und Discounter zu sein. "Wir waren in diesem Bereich zuletzt stark gewachsen und hatten den Blick auf den Fachhandel ein wenig verloren', räumt Ottenjann rückblickend ein. Durch Borbo habe man wieder stärker im Fachhandel Fuß fassen können. Heute vertreibt das Unternehmen unter dem Namen Biederlackborbo Vlies-Decken als Handelsware und eher Preis orientierte Artikel. Die neue Marke Bocasa ist die internationale Fachhandelsmarke. Sie rangiert preislich im mittleren bis oberen Segment. Generell liegen die Preise für Wohndecken von Biederlackborbo und Bocasa im VK zwischen 29,90 und 69,90 Euro.

Die zweite wichtige Entscheidung war im vergangenen Jahr der Erwerb der Joop-Lizenz für Wohndecken. Mit ihr kann Biederlack das Thema Exklusivität viel besser abdecken. "Das Unternehmen als ganzes wird durch diese Lizenz-Kollektion noch einmal ganz anders wahr genommen', freut sich Ottenjann über diesen Coup. Joop-Decken beginnen bei einem VK von 79,90 Euro und gehen bei den hochwertigen, in Italien gefertigten Plaids bis etwa 159,90 Euro. Die Joop-Deckenkollektion hat sich in kurzer Zeit zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Im ersten Jahr konnte man schon 200 Verkaufspunkte mit den Produkten beliefern. 100 von ihnen sind sogar mit einem Warenträger ausgestattet worden. "Die Lizenz ist für uns ein Volltreffer', stellt Geschäftsführer Ottenjann fest. Sie habe der Firma weitere Türen geöffnet und trage zu einem nachhaltigen Geschäft bei.

Man verhehlt bei Biederlack nicht, dass das Aufkommen der Vliesdecke im Billigpreissegment dem Unternehmen ein wenig zusetzt, vor allem die billigen Importprodukte aus Polyester. Auch bei Biederlackborbo gibt es Vlies-Decken, sie sind allerdings aus dem hochwertigeren Polyacryl, welches eine ganz andere, schmeichelnde Haptik verleiht. Außerdem kontert das Vredener Unternehmen gegen den Billig-Trend mit kurzfristig aufgelegten Serien. Man begann im letzten Jahr mit World Affairs und setzt es dieses Jahr mit Inside Out fort. Diese Artikel gibt es stets nur für ein halbes Jahr. Dabei handelt es sich um hochwertige Decken in einer Baumwoll-Dralon-Qualität. Die Programme sind straff strukturiert und umfassen zwischen zwölf und 16 Dessins.

Die letzten Jahre waren nicht ganz einfach für das traditionell stark Export orientierte Unternehmen. Doch jetzt, so Ottenjann, ziehe die Nachfrage im Ausland wieder an. Produkte "made in Germany' seien im Ausland immer noch besonders gefragt. Aktuell liegt der Exportanteil beim Umsatz bei etwas 35 Prozent.
Es versteht sich, dass Biederlack das Jubiläum mit Geschäftspartnern und Freunden festlich beging. Zahlreiche Festredner würdigten die unternehmerische Leistung der Familie und ihrer Mitarbeiter. Vorne weg Guntram Schneider, Arbeitsminister in NRW. Er kennt das Unternehmen noch aus seiner Zeit als Gewerkschafter in der Tarifkommission und lobte es für seine trotz harter Verhandlungen sozial vorbildliche Lohnpolitik. Auch der Betriebsratsvorsitzende ließ es sich nicht nehmen, der Geschäftsführung zu gratulieren. Für anregende Diskussionen sorgte außerdem der Trigema-Chef Wolfgang Grupp, bekannt aus verschiedenen Fernseh-Diskussionsrunden. Auch in Vreden schimpfte er über die Führungskultur in deutschen Unternehmen, wobei er das Jubiläums-Unternehmen allerdings ausdrücklich ausnahm: "Die wissen, wie es geht.' Das hat auch das Manager Magazin den Vredenern attestiert. Unter den 1.000 deutschen Weltmarktführern führt das Hamburger Magazin Biederlack immerhin auf Platz 750.
aus Haustex 11/12 (Wirtschaft)