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Domotex Russia: Interview mit Martin Folkerts von der Deutschen Messe

"Made in Germany hat in Russland beste Chancen"

Vom 26. bis 28. September 2012 findet zum ersten Mal die Domotex Russia statt. Als bislang einzige spezialisierte Bodenbelagsmesse in Russland und den angrenzenden Staaten soll sie Ausstellern und Besuchern die Möglichkeit bieten, neue Kontakte und Geschäfte zu generieren. BTH Heimtex wollte von Martin Folkerts, Director Global Fairs der Deutschen Messe AG, wissen, welche Chancen deutsche Produkte auf dem russischen Bodenbelagsmarkt haben, wie dieser strukturiert ist und welche Vorteile sich für die Aussteller aus der Kooperation von Domotex, Heimtextil und R+T in Moskau ergeben.

BTH Heimtex: Herr Folkerts, im September feiert die Domotex Russia in Moskau ihre Premiere. Welche Chancen haben Produkte "Made in Germany" auf dem russischen Markt?

Martin Folkerts: Mit dem zunehmend hohen Lebensstandard in Russland wächst die Nachfrage nach hochwertigen Produkten. Ein Ende dieser Tendenz ist nicht abzusehen.

Deutsche Erzeugnisse gelten nicht nur als modern, sie setzen auch Maßstäbe in der Qualität. Das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, die hohen Qualitätsanforderungen in Deutschland und die Langlebigkeit geben häufig den Ausschlag für den Kauf deutscher Erzeugnisse. Damit haben Produkte "Made in Germany" beste Chancen insbesondere im höher- und hochpreisigen Bereich des russischen Marktes.

BTH Heimtex: Und wie sieht der russische Bodenbelagsmarkt derzeit aus?

Folkerts: Die Baubranche ist einer der dynamischsten Wirtschaftszweige in Russland. Noch immer hat das Land hier großen Nachholbedarf. Durch die fortschreitende Privatisierung und die Erhöhung der privaten Einkommen steigt die Nachfrage nach Wohneigentum mit hochwertiger Ausstattung auch auf dem Boden.

Aktuell sind in Russland elastische Bodenbeläge mit einem Marktanteil von rund 40 % am beliebtesten. Aber es zeichnen sich Veränderungen ab. Ungefähr jeder dritte Quadratmeter wird schon mit Laminat belegt, danach folgen Fliesen und textile Bodenbeläge. Auch für Parkett entwickelt sich der Absatz positiv.

BTH Heimtex: Wie werden die Beläge an den Mann gebracht - wie sehen die Handelsstrukturen in Russland aus?

Folkerts: Der Handel mit Bodenbelägen konzentriert sich stark auf die Städte Moskau und St. Petersburg, wobei Moskau eindeutig die Hauptrolle zufällt. Ein Großteil der Produkte wird in Baumärkten verkauft, die zu drei Vierteln zu ausländischen Konzernen gehören. Darüber hinaus bieten auch stark spezialisierte Einzelhändler mit einer kleinen Produktpalette Bodenbeläge an. Außerdem werden Fußböden hier natürlich auch über das Internet vertrieben.

Viele ausländische Unternehmen haben in Russland bereits Lager oder sogar eigene Produktionsstätten aufgebaut, um den Bedarf im Land zu decken. Aber es empfiehlt sich immer, einen verlässlichen Partner vor Ort zu haben, der die Besonderheiten der russischen Logistik und Zollformalitäten kennt.

BTH Heimtex: Solche Partner wird man auf der Domotex Russia finden können?

Folkerts: Richtig. Unsere wichtigste Zielgruppe sind die Distributoren, also Importeure und Partner für internationale Bodenbelagsanbieter.

BTH Heimtex: Welche Art von Hilfestellung können Firmen, die sich für den russischen Markt interessieren, noch von Ihnen erwarten?

Folkerts: Die Deutsche Messe hat vor einem Jahr eine Tochtergesellschaft in Moskau gegründet, wodurch wir nun in der Lage sind, den Auftritt unserer Aussteller vor Ort zu unterstützen. Durch unsere guten Kontakte zu den russischen Medien verhelfen wir unseren Kunden im Vorfeld der Messe zu einer Präsenz in den relevanten Fachzeitschriften und im Internet. Und wir stellen derzeit Informationen für unsere Aussteller zusammen, zum Beispiel worauf beim Export nach Russland geachtet werden sollte und wie Verkäufe auf der Messe abgewickelt werden können.

BTH Heimtex: Die Domotex Russia wird gemeinsam mit der Heimtextil Russia und der R+T Russia stattfinden. Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Folkerts: Auf Ausstellerseite gibt es so gut wie keine Überschneidungen und für das Fachpublikum lohnt sich die Parallelität der Messen in jedem Fall: Auf dem Messegelände "Crocus Expo" erhalten die Fachbesucher einen hervorragenden Überblick über Bodenbeläge, Heimtextilien und Rollläden/Tore/Sonnenschutz. Die Besucherwerbung und die Presse- und Medienarbeit der drei Veranstalter ergänzen sich und nützen nicht nur der eigenen Messe, sondern auch den beiden Parallelveranstaltungen.

Übrigens ist die Kombination Domotex und R+T in China bereits seit einigen Jahren erfolgreich erprobt.

BTH Heimtex: Eine Kooperation zwischen Heimtextil und Domotex war in Deutschland bisher nicht zu erkennen. Wie kommt es zu der Zusammenarbeit in Russland und sind ähnliche Partnerschaften auch in anderen Regionen geplant, schließlich vielleicht sogar bei uns?

Folkerts: Wir sind mit der Messe Frankfurt seit vielen Jahren im Gespräch. So stimmen wir die Messetermine der Domotex Hannover und der Heimtextil Frankfurt aufeinander ab, damit ausländische Besucher - eine enorm wichtige Zielgruppe für deutsche und internationale Aussteller - beide Messen mit einer Reise sehen können. Auch in anderen Ländern sind wir für eine Zusammenarbeit offen. Konkrete Projekte sind aktuell jedoch nicht zu verkünden.
aus BTH Heimtex 01/12 (Wirtschaft)