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Interzum: Leitmesse für die Möbelzulieferindustrie in Köln

Blick in die Zukunft der Bettenindustrie

Köln - Mit 52.400 Fachbesuchern aus 147 Ländern konnte die Interzum, internationale Leitmesse für die Möbelzulieferindustrie, im Vergleich zur letzten Veranstaltung 2009 um 13 Prozent zulegen. Die traditionell schon hohe Internationalität der Besucher konnte in diesem Jahr mit einem Plus von 24 Prozent noch einmal signifikant gesteigert werden. "Ich bin total begeistert. Was in den letzten Tagen hier passiert ist, ist unglaublich. Über vier Tage haben die Aussteller ein wahres Feuerwerk in den Hallen gezündet. Hier hat sich eine Branche zu Recht selber gefeiert', so das Fazit von Frank Haubold, Produktmanager der Interzum und Direktor der imm Cologne.

In diesem Jahr stellten 1.434 Unternehmen auf der Interzum aus, 378 davon kamen aus Deutschland. Gegenüber der Vorveranstaltung 2009 ergibt sich daraus ein Anstieg um fast sechs Prozent (2009: 1.356). Die Gesamtausstellungsfläche wuchs um acht Prozent, zehn Hallen umfasste die Weltleitmesse 2011, eine mehr als 2009. Von den insgesamt 52.400 Fachbesuchern kamen 34.500 aus 147 Ländern der Erde. Der Anteil der Auslandsbesucher belief sich somit auf rund 66 Prozent. Mit 24 Prozent mehr Besuchern aus dem Ausland konnte die Veranstaltung im Vergleich zu 2009 in punkto Internationalität nochmals deutlich zulegen. Der hohe Internationalitätsgrad der Messe wurde Haustex beim Besuch von Zuliefer-Unternehmen der Matratzen-Industrie bestätigt. Aus wirklich allen Ecken der Welt könne man Besucher auf dem Messestand begrüßen, hieß es stellvertretend bei Bekaert Textiles. Lesen Sie nachfolgend, welche Neuheiten ausgewählte Unternehmen der Matratzen-Industrie in Köln vorstellen konnten, die bei positiver Resonanz demnächst auch im Handel zu finden sein werden.

Otten Matratzen
Innerhalb von rund zwei Wochen stampfte das Lippstädter Unternehmen das Konzept des neuen Komfortbetts namens Cubana aus dem Boden. Damit möchte man demonstrieren, dass sich das Unternehmen jetzt wieder auf seine bekannten Stärken konzentrieren möchte: Rahmen, Matratzen und Boxspring-Betten mit Funktion, in der preislich mittleren bis gehobenen Schiene. Zielgruppe von Cubana sind diejenigen der Generation 50 plus, die Wert auf Bequemlichkeit legen und über das nötige Kleingeld dafür verfügen. Cubana baut auf den Brentano-Liftbetten auf, vermeidet aber jeglichen Anklang an das Thema Gesundheit und Pflege. Bei Cubana steht der Komfort allein im Vordergrund, erzielt durch eine motorische Kombination aus Synchron- und Einzelsteuerung: sei es beim Einstieg ins Bett, beim Fernsehen oder beim Bettenmachen. Das Bett kann in der Höhe variiert werden, in Kopf- und Fußteil, darüber hinaus aber auch in der Querachse abgekippt werden. Das Bett habe sowohl auf der MOW als auch auf der Kölner Interzum eine sehr hohe Akzeptanz erzielen können, berichtete der neue Vertriebsleiter Thomas Herrmann. Spontan seien in Köln einige Aufträge geschrieben worden. Ein Grund für den Erfolg dürfte auch der attraktive VK-Preis für das Bettsystem liegen. Er beträgt laut Herrmann je nach Ausstattung zwischen 6. 000 und 7.000 Euro für eine Doppelbett-Lösung. Weitere Neuheiten sind eine Boxspring-Variante mit ausklappbarem Kopfteil, um den Sitzkomfort im Bett zu erhöhen; ein Boxspring-Bett mit dem Einlegerahmen Calido als Variante sowie ein Motorrahmen, der mittels eines Teleskop-Auszugs die Matratze beim Hochfahren des Kopfteils näher zum Kopfteil schiebt, so dass der Körper des Schläfers weiterhin auf Höhe des Nachtschranks bleibt.

Variowell
Tobias Kirchhoff zeigte in Köln eine Weiterentwicklung seiner Variowell-Matratze, den so genannten iSleeper. Grundprinzip der Variowell-Matratzen ist die individuelle Variation der Matratzenhärte durch so genannte Temperierfolien, die sich im Matratzenkern befinden. Je wärmer die Folie wird, umso weicher wird die Matratze. Dieses Prinzip hat Variowell jetzt auch in einen Topper übertragen, da laut Kirchhoff vermehrt Anfragen nach solch einem Produkt gekommen seien.

Eurofoam
Das Schaumstoff-Unternehmen Eurofoam, ein Gemeinschaftsunternehmen der Unternehmensgruppen Greiner in Österreich und Recticel in Belgien, hatte erneut einige Neuheiten mit nach Köln gebracht. Bei Freepur Greenfirst handelt es sich um den ersten PUR-Schaumstoff mit der auf natürlichen Stoffen basierenden Anti-Hausstaubmilben-Ausrüstung Greenfirst (Zitrone, Lavendel, Eukalyptus). Bislang war Greenfirst lediglich als Ausrüstung in Matratzenbezügen erhältlich, nun hat Eurofoam eine Möglichkeit gefunden, die Ausrüstung in den Schaumstoff zu applizieren, wodurch die komplette Matratze "zu 100 Prozent' vor Hausstaubmilben geschützt werden kann, wie das Unternehmen mitteilt. Bei einem Test wurden innerhalb von sechs Wochen sämtliche Milben abgetötet, die man dem Schaum aussetzte. Gleichzeitig sorgt Greenfirst als angenehmer Zusatzeffekt im Schaum für einen besonderen Liegekomfort und eine deutliche Reduzierung der Kuhlenbildung. Freepur Greenfirst gibt es auch als Visko-Variante. Cellpur ist ein Schaum mit integriertem Klima-Management, wie Eurofoam es definiert. Dem Unternehmen ist es gelungen, PUR-Schaum mit Tencel-Puder von Lenzing zu kombinieren. Tencel verfügt bekanntlich über ein hohes Feuchtigkeitsmanagement, so dass der Schläfer eine angenehme Schlafumgebung genießen kann. Versotec ist der Name für eine neuartige Schneidetechnologie von Matratzenschäumen, die durch vertikale Schnittführung gekennzeichnet ist. Dadurch können Matratzenkerne nun punktgenau und vor allem "verletzungsfrei' an den Stellen geschnitten werden, die für ein ergonomisches Liegeverhalten wichtig sind. Bei herkömmlicher Schnitttechnik müsste das Messer seitlich eingeführt werden und die Schnittstelle dort wieder verklebt werden. Das entfällt mit Versotec. Außerdem widmete sich Eurofoam auf der Messe dem Thema Powernapping. Dafür hat das Unternehmen eine speziell geformt Liege unter dem Namen Inemuri entwickelt, auf der Mitarbeiter für wenige Minuten "wegdösen' und sich regenerieren können.

Boyteks Tekstil
Der Produzent von Matratzenbezügen ist ein Unternehmen der türkischen Boydak Holding, einer der größten Unternehmensgruppen des Landes. Boyteks, mit Sitz in Kayseri, hat sich vorgenommen, den deutschen Markt stärker mit seinem Produktprogramm zu bedienen. Schon jetzt exportiere man rund 80 Prozent der Produktion ins Ausland und bediene Kunden in rund 60 Ländern. Nach Auskunft von Deniz Boydak, Verkaufs- und Marketingleiter bei Boyteks und Enkel des Firmengründers, sprechen die hohe Innovationsfreude sowie das breite Produktportefeuille für das Unternehmen. Das Sortiment ist gegliedert in sechs Konzepte: Exklusiv, Natürlichkeit, Sicherheit, Hygiene, Frische und Komfort. Innerhalb dieser Konzepte warten die Türken wiederum mit weiteren unterschiedlichen Varianten auf. In Köln stellte das Unternehmen vor allem Neuheiten für das Konzept Exklusiv vor. Dazu gehören Fleckschutz-Bezüge ausgerüstet mit Scotchgard, dessen Lizenz Boyteks von 3M exklusiv für den Bereich Matratzenbezüge erworben hat. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Bezüge, die wahlweise ausgerüstet sind mit den Vitaminen ACE, Lanolin oder Auszügen der Gänseblume.

Lenzing
Das österreichische Faserunternehmen Lenzing propagierte das so genannte Bett aus der Botanik. Damit spielt das Unternehmen auf die Möglichkeit an, ein komplettes Bett aus der Tencel-Faser von Lenzing zu bekommen, die auf Zellstoff basiert. Das fängt beim Matratzenkern und dem Bezug an, geht über Topper und Laken bis zur Bettdecke, dem Kissen und der Bettwäsche. In Anbetracht der hohen Baumwollpreise sei Tencel heute auch nicht mehr (wesentlich) teurer als Baumwolle, versichert Susanne Carls, Projektleiterin Heimtextilien bei Lenzing. Das sei mit ein Grund für die derzeit hohe Nachfrage nach Tencel-Fasern. Um der wachsenden Nachfrage entsprechen zu können, investiert das Unternehmen in neue Produktionskapazitäten. Der wesentliche Grund für die hohe Tencel-Nachfrage sind allerdings die positiven Eigenschaften der Faser. Sie ist nicht nur doppelt so aufnahmefähig für Feuchtigkeit wie Wolle, von Baumwolle ganz zu schweigen. Sie verhindert durch das gute Feuchtigkeitsmanagement auch das Bakterienwachstum schon im Ansatz. Außerdem wird den Milben damit auch die Lebensgrundlage entzogen, die es gerne feucht und warm haben. In der Konsequenz schläft man mit Tencel besser als mit anderen Materialien, wie beispielsweise Polyester. Als neues High-End-Produkt stellte Lenzing die Faser Tencel C vor. C steht für Chitosan, das aus den Chitinpanzern von Meereslebewesen gewonnen wird und produktionstechnisch in die Tencelfaser inkorporiert wird. Chitosan wird auch in der Kosmetik verwendet und steht in dem Ruf, hautpflegende Eigenschaften zu haben. Tencel C eignet sich daher für Produkte, die in unmittelbaren Kontakt zur Haut kommen, zum Beispiel Handtücher. Die neue Faser ist hochpreisig angesiedelt und wird nur in geringen Mengen hergestellt.

Foampartner
Foampartner ist ein Schweizer Unternehmen mit Produktionsstätten im Heimatland Schweiz, in Deutschland, Frankreich, den USA und China. Das Unternehmen gehört zu der börsennotierten Conzzetta-Gruppe unter Führung ihres Präsidenten Jacob Schmidheiny. Der weltweite Umsatz von Conzetta belief sich im vergangenen Jahr auf 1.052 Mill. Franken (857 Mill. Euro). Foampartner selbst erzielte einen Umsatz von 126 Mill. Franken (rund 104 Mill. Euro). Dieser Umsatz wird erzielt mit der Herstellung von Schäumen für die Bereiche Komfort und Technische Schaumstoffe. Die Schäume für den Matratzenbereich entstehen im Bereich Komfort. Foampartner produziert hier nach eigenen Angaben Schaumstoffe im Premium-Bereich für höchste Ansprüche. Laut Rita Kollbrunner, Marketing- und Kommunikations-Leiterin bei Foampartner, ist die Interzum die Messe schlechthin für den Komfort-Bereich des Unternehmens. Großes Potenzial sieht sie für ihr Unternehmen auch im Premium-Sektor des deutschen Matratzenmarktes. Im vergangenen Jahr hat sich das Unternehmen entschlossen, die Produktion von HR-Schäumen komplett aufzugeben. Stattdessen konzentriert man sich jetzt ausschließlich auf so genannte HRC-Schäume unter der Marke Evopore, die man schon seit ein paar Jahren anbietet. In dieser Zeit habe sich die neue Qualität im Markt bewähren können, so Kollbrunner. Das C von HRC steht hierbei für Climate, da die klimatischen Eigenschaften des Schaumes noch besser sein sollen als bei üblichen HR-Schäumen. Evopore HRC ist quasi die dritte Schaum-Generation nach Standard PUR- und HR-Kaltschäumen. Sie zeichnet sich laut Kohlbrunner dadurch aus, dass sie trotz eines geringeren Raumgewichtes im Vergleich zu HR-Schäumen den gleichen Komfort und eine höhere Haltbarkeit bietet. Einen weiteren Vorteil bieten die Schäume durch ihre Waschbarkeit in der Haushaltswäsche, was besonders für Kissen von Interesse sein dürfte.

Die nächste Interzum findet statt vom 13. bis 16. Mai 2013
aus Haustex 06/11 (Wirtschaft)