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Interview des Monats mit der Führungsriege der Mapei GmbH

"Der nationale Charakter spricht gegen den Blauen Engel"

Verlegewerkstoffhersteller Mapei hat für 2010 einiges vor: Im Geschäftsfeld der Fußbodentechnik wird das Vertriebsnetz optimiert, zur Domotex erstmals ein Planer-Handbuch vorgestellt und zusätzliche Produkte erhalten eine EC 1-Zertifizierung. Sehr deutlich spricht man sich bei Mapei gegen den Blauen Engel aus, der 2010 bei den Verlegewerkstoffen boomen wird. Obwohl man der Überzeugung ist, dass internationale Umweltzeichen wie LEED viel wertvoller sind, wird man ein begrenztes Sortiment mit Blauem Engel prüfen, "weil das Verhalten einiger Wettbewerber uns zwingt."

FussbodenTechnik: Herr Dr. Gruber, Sie sind seit 1. April 2009 zweiter Geschäftsführer der Mapei GmbH. Wie lautet Ihr Fazit nach gut einem halben Jahr?

Dr. Uwe Gruber: Ich sehe die ersten Monate durchaus positiv. Wir haben in den letzten Jahren eine gute Entwicklung genommen und sind gut am Markt positioniert. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Geschäftsfelder ausgebaut. Diesen Weg werden wir zukünftig weiter gehen.

FT: Ist es richtig, dass Heinrich Meier nach einer Übergangsphase wieder zu seiner ursprünglichen Aufgabe als Country-Manager der Holding Mapefin zurückkehren wird und Dr. Gruber dann alleiniger Geschäftsführer der Mapei GmbH ist?

Heinrich Meier: Dass Dr. Gruber alleiniger Geschäftsführer der Mapei GmbH wird, ist mittelfristig richtig. Den Zeitpunkt haben wir allerdings noch nicht festgelegt. Ich werde mich in Zukunft meiner eigentlichen Aufgabe zuwenden. Wir sind an weiteren Unternehmen dran, über die man aber jetzt noch nicht reden kann. Ich bin derzeit genauso bei der Sopro Bauchemie (ebenfalls eine Mapei-Tochter, d. Red.) in das Geschäft involviert. Auch dort prüft man, welche neuen Geschäftsfelder sinnvoll wären.

FT: Wie ist die Aufgabenverteilung zwischen Geschäftsführer Heinrich Meier und Ihnen?

Dr. Gruber: Es gibt keine strikte Aufgabentrennung, sondern die Aufgaben werden projektbezogen verteilt. Mal liegen die Schwerpunkte mehr bei Herrn Meier und mal mehr bei mir - letztendlich sind wir beide für alles verantwortlich.

Meier: Wir kennen uns ja schon aus langjähriger Zusammenarbeit bei Dyckerhoff. Ich werde mich vermehrt um die Integration von neuen Produktfeldern auf dem deutschen Markt kümmern, weil dort verschiedene Projekte in der Bearbeitung sind. Dr. Gruber kümmert sich verstärkt um das Kerngeschäft der Fußbodentechnik und um die keramischen Beläge. In diesen Kerngeschäftsfeldern wollen wir deutlich vorwärts kommen und eine größere Marktposition besetzen. Das war auch der Grund, warum wir eine zweite Geschäftsführerposition geschaffen haben.

FT: Können Sie ein, zwei Beispiele Ihrer derzeitigen Schwerpunkte nennen?

Meier: Mapei hat im neu geschaffenen Bereich Roofing (Dachabdichtungen, d. Red.) die Gesellschaft Polyglass gekauft, die sich mit Bitumendachabdichtungen beschäftigt. Polyglass ist zurzeit in Italien und USA aktiv. Zusätzlich wird eine Produktion von PVC/FPO Dachbahnen für die synthetische Dachabdichtung aufgebaut. Wir wollen natürlich auch in Deutschland damit starten. Das ist ein Bereich, den wir jetzt gerade aufbauen. Dort steige ich sehr stark mit ein. Genauso wie in dem Geschäftsfeld Betonzusatzmittel und Tunnelbau

FT: Wie verstärken Sie das Kerngeschäft für die Fußbodentechnik?

Dr. Gruber: Insgesamt wollen wir stärker in die Marke investieren, zusätzlich aber auch den Vertrieb ausbauen. Wir schauen uns die Bereiche an, wo noch Verstärkungen notwendig sind, weil es auf der Landkarte den einen oder anderen weißen Fleck gibt. Vor wenigen Wochen haben wir einen neuen Außendienstmitarbeiter im Bereich Nürnberg/Regensburg eingestellt. Wir werden sukzessive die Vertriebs-Gebiete besetzen und verkleinern. Wir wollen eine bessere regionale Abdeckung als in der Vergangenheit.

Außerdem streben wir eine stärkere Bindung an den Handel und auch an den Verleger an, wir wollen noch näher an den Zielgruppen dran sein. Wir verfügen über ein neues Schulungszentrum in Kleinwallstadt, das verstärkt genutzt werden soll. Schon 2010 wird es dort mehr Seminare für Handel und Verleger geben.

FT: Wie ist Mapei denn personell aufgestellt?

Dr. Gruber: In der Fußbodentechnik haben wir 15 Außendienstmitarbeiter und 6 in der Anwendungstechnik. In Deutschland insgesamt beschäftigen wir knapp 160 Mitarbeiter.

FT: Noch einmal zurück zur Fußbodentechnik: Wie ist denn der Status quo des für unsere Leser wichtigsten Geschäftsfeldes?

Meier: Wir sind im Bereich Fußbodentechnik in den letzten drei, vier Jahren durchschnittlich zweistellig gewachsen. Wir haben inzwischen ein vernünftiges Umsatzniveau erreicht, was uns aber noch nicht befriedigt - um das auch ganz klar zu sagen. Wir wollen hier noch weiter wachsen, das ist auch Zielsetzung der Unternehmerfamilie. Wir analysieren gerade, ob wir in der Struktur, bei den Produkten und im Sortiment richtig aufgestellt sind, um unsere ambitionierten Ziele auch zu erreichen.

FT: Der deutsche Markt ist sehr umkämpft, was die Verlegewerkstoffe angeht. Warum sollen die Verleger bei Mapei kaufen? Was unterscheidet Sie von anderen Wettbewerbern?

Meier: Die Marke Mapei hat aufgrund ihrer Internationalität ein großes Potenzial. Dieses Potenzial wollen wir stärker ausschöpfen. Wir haben moderne Labors in Mailand, auf die wir zurückgreifen können. Dort wird eine hervorragende Forschungs- und Entwicklungsarbeit geleistet. Wir sind gut ausgerüstet und ausgestattet.

Michael Heim: Wir werden auf jeden Fall stärker herausheben, dass wir Vollsortimenter sind. Wir machen jeder Zielgruppe ein entsprechendes Angebot. Einerseits dem "Generalisten", also dem Verleger, der morgens auf die Baustelle fährt und noch gar nicht weiß, welcher Belag ihn erwartet. Mit Mapei hat er die passende Lösung immer dabei: Das sind Allround-Produkte mit sehr breiten Eigenschaften, gebündelt in einem Kernsortiment für den Handel und das Handwerk. Andererseits dem "Spezialisten", in aller Regel Objekteuren, für die wir natürlich auch Speziallösungen für die jeweilige Verlegesituation im Programm haben, insgesamt 150 Produkte. Bei Mapei ist man gut aufgehoben - als Generalist genauso wie als Spezialist.

Hermann: Man kann hier sogar noch ergänzen, dass auch Objekteure von unserem Kernsortiment profitieren. Der Objekteur braucht in seinem Portfolio ein Produkt, mit dem er alles machen kann. Wenn selbst unsere Lieferzeit von 24 Stunden über Nacht einmal nicht reicht, weil "der Himmel brennt", dann braucht er ein Produkt, mit dem er alles kleben kann. Da haben wir aus dem Kernsortiment mit dem Parkettkleber S955 1K und mit Ultrabond Eco V4 SP, mit dem man alle elastischen und textilen Beläge kleben kann, Lösungen. Mit diesen Produkten kann auch der Großobjekteur ganz schnell reagieren.

FT: Die Entscheidung, ein Kernsortiment einzuführen, haben ja auch andere Wettbewerber umgesetzt. Wann hat Mapei sich dazu entschlossen?

Hermann: Wenn man das genau betrachtet, waren wir bei Mapei vor 5 Jahren die ersten, die das Kernsortiment im Markt platziert haben. Sukzessive haben die Wettbewerber alle nachgezogen. Hier waren wir Vorreiter, und es hat sich als richtig herausgestellt. Als Herr Meier vor 5 Jahren ins Unternehmen gekommen ist, hatten wir eine große Bandbreite: Jedes Produkt für jeweils einen Anwendungsbereich. Wir haben das Kernsortiment auf 9 Produkten eingedampft. Künftig bringen wir eine Reduzierung auf 4: eine Grundierung, eine Spachtelmasse und zwei Kleber.

Meier: So kamen wir zu Produkten, die sich einfach stärker drehen. Sie sind ständig frisch auf Lager und zeigen Stärke am Markt. In der Vergangenheit hatten wir auch ein starkes Sortiment, aber wir haben den Verarbeiter manchmal verunsichert, weil wir mehrere Möglichkeiten für die gleiche Anwendung angeboten haben. Das war mit Sicherheit nicht der ideale Weg. Natürlich haben wir unser breites Sortiment noch zur Verfügung. Aber wir bieten gezielt bestimmte Produkte an, um dem Verarbeiter und dem Händler zu zeigen, dass das Produkte sind, die sich drehen und die gut funktionieren. Unser Vorteil ist auf jeden Fall, dass wir dem Verarbeiter und dem Händler eine deutliche Rendite bringen.

Heim: Das Kernsortiment ist auch wichtig für den bodenbelagsführenden Großhandel. Da wollen wir mit wenigen Produkten in die Listung, die dann permanent verfügbar sind. Der Großhandel hat auf diese Weise eine geringere Kapitalbindung.

Meier: Der Handel fordert das auch. Man hat inzwischen gelernt, dass Lagerhaltung auch Geld kostet; das merkt man besonders in schwierigen Zeiten. Insofern fordert der Handel natürlich ein sehr straffes Sortiment, um seine Lagerhaltung zu minimieren. Zumal wenn man vielleicht mehrere Sortimente am Lager hat und nicht nur einen Anbieter.

FT: Dann geht es also auch um geänderte Rahmenbedingungen.

Heim: Der Markt mit Neubau und Sanierung hat sich natürlich verändert. Mittlerweile sprechen wir fast bei 80% des Marktes über Sanierung und Modernisierung und dort sehen wir auch die Wachstumsraten. In kleinen Objekten, in denen geringe Quadratmeterzahlen an textilen und PVC-Belägen verlegt werden müssen, da muss ein Produkt reichen. Dann kann man sich nicht 5 Kleber ins Auto laden und diese 20 und 30 qm jeweils mit einem anderen Kleber verlegen. Der Wandel im Markt vom Neubau hin zur Sanierung ist prädestiniert für ein Kernsortiment.

FT: Wo sehen Sie weitere Stärken der deutschen Mapei GmbH, neben dem Kernsortiment. Schließlich sind Sie Teil eines großen italienischen Familienunternehmens.

Hermann: In erster Linie ist das die Rückwärtsintegration, die der Mutter-Konzern Mapei SpA betreibt. Mapei-Inhaber Dr. Giorgio Squinzi hat genau gesehen, wie wichtig die Versorgung mit Rohstoffen ist. Wir haben ein eigenes Zementwerk, eine Dispersions- bzw. Dispersionspulverproduktion, wir machen eigene Polyurethane und wir haben eigene Sandgruben. Wir haben ganz zielgerichtet die Rohstoffquellen im Auge, bei denen es früher mal Monopolisten z.B. beim Tonerdeschmelzzement gab. Wir haben ein eigenes Werk gekauft und ausgebaut, so dass wir eine gewisse Unabhängigkeit haben. Das macht uns auf Dauer im Markt stärker als die Wettbewerber, die immer darauf angewiesen sind, was die Rohstofflieferanten anbieten.

FT: Haben Sie denn alle Rohstoffe, die Sie brauchen, in eigener Hand?

Hermann: Die strategisch wichtigen Rohstoffe ja. Wenn es Monopolisten gibt, die die Qualität diktieren, ist das immer unangenehm. Wir haben uns um Alternativen bemüht - nicht für alle Rohstoffe, aber für die wichtigsten. Wir haben z.B. Vorteile im Bereich der Dispersionspulver für Spachtelmassen und bei den Dispersionsklebern. Dadurch sind wir in der Lage Vorprodukte zu entwickeln, die passgenau auf unsere Produkte abgestimmt sind. Das hilft bei der Entwicklung qualitativ hochwertiger Produkte.

Meier: Der andere Punkt ist natürlich, wir zählen bei Mapei mittlerweile 15 Produktfelder, die wir in der Zentrale in Italien besetzen. Wir nutzen hiervon in Deutschland noch nicht alle erfolgreich. Wir versuchen es in vielen Bereichen, haben uns aber noch nicht überall durchgesetzt. Wenn man natürlich sieht, dass wir vom Estrich über Betonzusatzmittel, die Beschichtungen und Spachtelmassen den ganzen Aufbau bis zur Decke hin machen können, dann sind wir gerade für Generalunternehmer in Sanierungsbereich ein besonders interessanter Partner.

Mapei macht das zur Zeit sehr erfolgreich in Italien. Dort ist der Markt der Fliesenverlegewerkstoffe stark rückläufig. Aber gerade dort hat Mapei seinen Schwerpunkt. Momentan gleicht man diesen Rückgang durch andere, gepushte Produktbereiche sehr gut aus. Das ist so erfolgreich, dass Mapei im Umsatz quasi auf Vorjahresniveau liegt - in der heutigen Zeit sicherlich eine gute Leistung.

FT: Welche Themen könnte Mapei in Deutschland noch mehr in den Vordergrund stellen?

Hermann: Zum Beispiel die Schnellestrichsysteme. Dort bieten wir - anders als einige Wettbewerber - zugesicherte technische Eigenschaften. Wir haben ein Schnellestrichsystem, das nach einem Tag auch mit dampfdichten Belägen und Parkett belegreif ist. Ein zweites System ist nach vier Tagen belegreif. Das ist nach unserer Erfahrung genau die Bandbreite, die der Boden- und Parkettleger braucht. Wir haben für beide Fälle eine Lösung. Hier treten wir mit unseren Produkten genau gegen die Anbieter von Estrichzusatzmitteln an, die Dinge zusagen, die sie nachher gar nicht halten können. Der Leidtragende ist der Kunde. Das nimmt in jüngster Vergangenheit zu. Mit unseren Systemen ist man auf der sicheren Seite. Wir stehen auch dazu: Wenn der Verleger dennoch mal ein Problem kriegen sollte, dann helfen wir ihm. Bei anderen bleibt er in der Regel im Regen stehen.

FT: Lassen Sie uns das aktuelle Thema Umweltzeichen beleuchten. Es gibt jetzt für GEV-Mitglieder die Möglichkeit, auch den Blauen Engel zu tragen. Wie sehen Sie die Entwicklung und wird Mapei nachziehen?

Hermann: Die Entwicklung ist eigentlich schade. Wir haben mit dem EMICODE ein System, das nicht nur in Deutschland, sondern europa- und mittlerweile auch weltweit anerkannt ist. Es gibt Anfragen aus China, USA, etc. Wir sind ganz sicher, dass der EMICODE international das Signet für das Emissionsverhalten von Produkten wird. Da ist es natürlich kontraproduktiv, wenn in Deutschland ein Zeichen erscheint, dass nur nationalen Charakter hat. Das führt letztlich dazu, dass die Produkte zusätzlich geprüft werden müssen. Aber ein Wettbewerber ist jetzt vorgeprescht und wir gehen davon aus, dass weitere über kurz oder lang folgen werden.

Meier: Viel wichtiger ist eigentlich, dass man sich auf das Thema "Nachhaltiges Bauen" einstellt. Das ist z.B. LEED aus Amerika. Solche globalen Systeme sind eigentlich viel wichtiger für uns, weil Mapei auch eine internationale Marke ist. Es ist schade, dass der Blaue Engel nur eine deutsche Einzellösung ist. Das macht heute eigentlich keinen Sinn. Wir sind in der EU, wir sind in einer weltweiten Wirtschaft tätig und dann führen wir hier etwas ein, dass nur in Deutschland anerkannt ist. Das ist eigentlich ein absoluter Unsinn, den wir da machen. Aber wir schließen uns dem an, weil Wettbewerber das jetzt auch machen.

Wir setzen bei Mapei stärker auf die internationalen Zeichen wie LEED. Es gibt heute schon große Bauten wie die von Siemens und der Deutschen Bank, die auch in Deutschland oder in Europa nur nach LEED-Standards errichten. Die erfüllen wir mit unseren Produkten in vielen Bereichen. Das ist der viel weitsichtigere Horizont, den wir da haben.

Heim: Mapei steht schon seit Jahren für nachhaltiges Bauen. Dr. Squinzi hat das Projekt "Responsible Care" schon Mitte der 80er Jahre ins Leben gerufen. Mit anderen Chemie-Unternehmen in Italien ging es darum, umwelt- und ressourcenschonend zu produzieren. Das Thema ist auch Teil unserer Unternehmensphilosophie. Seit 2001 beschäftigen sich die Kollegen in den USA mit LEED. Das kommt uns bei den Referenzen in Deutschland wieder zugute. Bei Mapei ist das nachhaltige Bauen gebündelt unter der Bezeichnung "Green Innovation". Wenn jetzt in Deutschland der Blaue Engel noch einmal nachzieht, dann übernehmen wir das nur für ein gewisses Sortiment.

Hermann: Bei LEED wird das Emissionsverhalten der Produkte ja zukünftig nicht nach dem Blauen Engel katalogisiert, sondern aller Voraussicht nach gemäß Emicode.

FT: Ist denn umgekehrt LEED bei den deutschen Verarbeitern schon ein Begriff?

Meier: Erstaunlicherweise nein: Viele Händler und Verarbeiter sind über LEED noch gar nicht informiert. Wir haben jetzt schon ein bisschen Aufklärungsarbeit bei großen Händlergruppen geleistet, denn wir waren doch etwas überrascht, wie wenig man sich bisher mit diesen Themen beschäftigt hat. Das kommt schneller auf uns zu, als wir denken. Es wird zwingend erforderlich sein, sobald man große Objekte bearbeiten will - vor allem europäische und internationale Objekte.

FT: Was kann das Boden verlegende Handwerk 2010 von Mapei erwarten?

Hermann: Unser Ziel wird es im kommenden Jahr sein, verstärkt auf Planer zu zugehen. Momentan bearbeiten wir schwerpunktmäßig den Großhandel und die Verleger und das werden wir natürlich auch weiterhin tun. Neue Produktgruppen spielen natürlich auch da eine Rolle. Aber den Planer wollen wir zukünftig zu einem ganz frühen Zeitpunkt auf Mapei hinweisen. Also Handel und Handwerk stärken und die Architekten nicht aus den Augen verlieren.

Heim: Zur Domotex werden wir erstmalig ein Planer-Handbuch vorstellen. Das ist eine ganz tolle Sache. Damit stellen wir Verarbeitern, Handel und ausschreibenden Stellen ein Kompendium zur Verfügung, dass alles zum Bodenaufbau beinhaltet. Das ist etwas, das es im Markt noch nicht gibt. Wir haben unsere Bodenkompetenz darin gebündelt - inklusive Verlegung von textilen und elastischen Belägen, Parkettverlegung, Fliesenverlegung und Natursteinverlegung. In jedem der 28 Kapitel werden die Untergründe mit einer Systemlösung für alle Bodenbeläge erläutert. Wenn wir Seminare machen, dann wird das Planer-Handbuch ein wesentlicher Bestandteil der Veranstaltung sein.

Hermann: Der Ansatz ist eigentlich folgender: Der Planer plant keinen Fußboden, sondern ein Objekt. Er hat nicht nur den solitären Fußboden, also einen kleinen Bereich im Auge, sondern die gesamte Bandbreite. Da möchten wir ihm dann eine echte Entscheidungshilfe geben. Gleichzeitig wollen wir unser Image verbessern und die Marke stützen.

Heim: Ein weiterer Punkt ist natürlich, dass wir das Planer-Handbuch unter www.mapei.de ins Internet bringen wollen. Dort soll man sich dann die Leistungsverzeichnisse herunterladen können.

FT: Unsere Leser interessiert natürlich auch, welche neuen Verlegeprodukte 2010 kommen werden?

Hermann: Wir wollen 2010 das EC 1-Sortiment ausbauen. Produkte wie Epoxidharzvorstriche sind bislang nur ganz vereinzelt emissionsreduziert. Diesen Weg werden wir zukünftig konsequent weiter beschreiten. Die Emissionsarmut können wir am besten über den EMICODE kommunizieren. Wir werden auch im Parkettverlegebereich neue EC 1-zertifizierte Produkte bringen. Dazu zählt Ultrabond Eco P 971 2K, ein zweikomponentiger Klebstoff für großformatiges Parkett wie Landhausdielen.

Der zweite große Trend ist das Fertigparkett: Mit unserem Ultrabond Eco S 945 1K bringen wir einen EC 1-Kleber auf den Markt, der das Segment des Fertigparketts perfekt abdeckt. Der Kleber bietet eine leichte Verarbeitung, eine lange offene Zeit und eine schnelle Begehbarkeit.

Heim: Eine weitere Produktergänzung, die wir zur Domotex 2010 bringen wollen, ist die gefüllte Schnellgrundierung Eco Prim Grip, die als Glattgrund-Haftbrücke dient.

Hermann: Zur Erklärung: Eco Prim Grip bringt Vorteile in der Renovierung, wenn wir Untergründe haben, die glatt sind. Der Vorteil ist, dass der Untergrund bestehen bleiben kann. Das Produkt wird aufgetragen, abgetrocknet und direkt darauf gespachtelt. Die Verkrallung der Haftbrücke mit der darauf folgenden Spachtelmasse ist extrem gut.

FT: Das vergangene Jahr war auch von dem Thema "Staubarme Verlegewerkstoffe" geprägt. Welche Produkte sind bei Mapei staubarm? Werden langfristig alle pulverförmigen Produkte staubreduziert ausgerüstet sein?

Meier: Das muss man relativieren. Wir sind heute zu 80 bis 90% in der Renovierung tätig. Der meiste Staub entsteht beim Rausreißen der alten Beläge und des alten Fußbodens. Auch wenn bei der eigentlichen Neuverlegung viel weniger Staub entsteht, sind wir grundsätzlich bestrebt, die wichtigsten Produkte möglichst staubfrei anzubieten. Man muss aber ganz klar sagen: Die Nachfrage hält sich in Grenzen.

Hermann: Staubreduzierte Produkte sind natürlich teurer in der Herstellung, weil wir einen anderen Rohstoff haben, der aufwändig eingemischt werden muss. Außerdem kauft man sich bei Spachtelmassen unter Umständen Produktnachteile ein, wenn man nachher Oberflächenstörungen hat, die den Haftverbund zum Kleber stören können. Die Frage ist eigentlich nur, wie der Gesetzgeber mit dem Thema umgeht. Wenn eine TRGS verabschiedet wird, die vorschreibt, dass nur noch staubarme Produkte zu verarbeiten sind, dann werden wir dem natürlich auch Rechnung tragen. Dann haben wieder alle Hersteller die gleiche Voraussetzung.

FT: Auf der Domotex 2008 war das Thema Trockenkleber sehr populär. Wie bewerten Sie das Thema aktuell?
Hermann: Trockenklebstoffe haben ihre Daseinsberechtigung vor allem bei Formteilen auf Treppen. Das ist ein ganz kleiner Anwendungsbereich. Wenn Sie einen Trockenklebstoff verwenden möchten, brauchen Sie ideale Voraussetzungen. Wo haben Sie diese am Bau? Sie brauchen einen staubfreien, absolut ebenen Untergrund.

Bei der häufig im Zusammenhang mit Trockenklebern genannten "Renovierung über Nacht" haben wir genügend Produkte im Sortiment, um eine schnelle Verlegung sicher zu stellen. Gerade in kleinen Shops haben Sie eine enorme Belastung der Fußbodenkonstruktion. Wenn Sie dann einen Trockenkleber einsetzen, bei dem sich innerhalb kürzester Zeit die Designbelags-Planken wieder ablösen oder Bahnenware innerhalb kürzester Zeit Walkspuren zeigt, ist das nicht das Richtige. Da gehen wir lieber den sicheren Weg: Produkte mit einer schnellen Verarbeitungszeit, die die finalen Eigenschaften auch sicher bieten. Der Nutzer muss schließlich nachher damit zurecht kommen.

Wir verkaufen doch ein Produkt, das auch eine gewisse Funktionalität beim Handwerker haben muss - sprich er muss damit auch sicher umgehen können. Bei uns steht daher zunächst der Handwerker im Fokus. Erst final muss das Produkt die Eigenschaften haben, die der Endverbraucher erwartet.
aus FussbodenTechnik 01/10 (Wirtschaft)