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Vorwerk

Luxus-Teppiche und eigene Fliesenfertigung


Entspannt wirkte Johannes Schulte, Vorsitzender der Vorwerk-Geschäftsführung, auf der Domotex, zufrieden, aber nicht saturiert - und das zu Recht, denn in den letzten Jahren hat er das Traditionsunternehmen, um das sich lange Zeit immer wieder Verkaufs- und Liquidationsgerüchte rankten, wieder auf Kurs gebracht.

Das Timing ist optimal: Just zum 125jährigen Jubiläum, dass im Juni zwei Tage lang groß gefeiert wird, präsentiert sich Vorwerk in blendender Verfassung. Sanierung und Restrukturierung sind abgeschlossen, das Sortiment von Grund auf überarbeitet, erneuert und dabei konsequent auf die neue Positionierung im Hochwert- und Luxussegment ausgerichtet. Vorwerk hat wieder ein Gesicht; und auch ein Gesicht, das überzeugt. Das war zuvor über viele Jahre verloren gegangen. Man zehrte in Hameln immer noch vom Nimbus der Künstler-Kollektion Dialog, mit der Vorwerk einst Teppichboden-Geschichte schrieb, doch deren Einführung war 1989, also mittlerweile 19 Jahre her und die Strahlkraft verblasste zusehends.

In der Folgezeit versuchten sich die Verantwortlichen ideen- und entsprechend erfolglos an einem Strategiewechsel mit dem Slogan "Der hält länger als uns lieb ist" , der die ganze Design-Kompetenz konterkarierte, die sich Vorwerk mit Dialog aufgebaut hatte und Teppichboden wieder zum reinen Gebrauchsprodukt degradierte. Millionen wurden für TV-Werbung verpulvert, um Vorwerk als Teppichboden-Marke zu implementieren. Das ist zwar insofern gelungen, als Vorwerk zweifellos beim Verbraucher höchsten Bekanntheitsgrad genießt, brachte das Unternehmen jedoch zugleich an den Rand des Ruins.

An diesem kritischen Punkt wurde Johannes Schulte, bis dato Marketingleiter, mit der Geschäftsführung betraut - ursprünglich wohl mit der Aufgabenstellung, die defizitären Teppichwerke abzuwickeln oder zumindest verkaufsreif zu machen. Nachdem man jahrelang aus dem Vollen gelebt hatte, begann ein schmerzhafter Schrumpfungsprozess. Nichts blieb beim Alten, alles wurde gekappt. Auch zig Arbeitsplätze fielen dem Rotstift zum Opfer. Und der Turnaround gelang. Schritt für Schritt ging es voran, Jahr für Jahr wurden bessere Ergebnisse erzielt, parallel an dem neuen Profil gearbeitet.

Nach einem schon ordentlichen Geschäftsjahr 2006 hat nun 2007 klar bewiesen, dass Vorwerk auf einem guten Weg ist. "Wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen. Der Schritt hinein ins stabile Hochpreis- und Luxussegment mit hochemotionalen Produkten wie auch der Ausbau unserer internationalen Vertriebsstrukturen haben gezeigt, dass Vorwerk eindeutig Potenzial zum Wachsen hatte - und das nicht nur im heimischen Märkten, sondern in ganz Europa und weltweit", sagt Schulte. Vorwerk habe sich im vergangenen Jahr erneut gegen den Marktrend positiv entwickelt und trotz negativer Einflussfaktoren wie Mehrwertsteuer-Erhöhung und gehemmter Kaufkraft der Verbraucher durch steigende Preise für Energie und Lebensmittel den Umsatz um fast 6% auf 80 Mio. EUR (im Vorwerk-Konzern wird incl. MwSt. gerechnet, Anm. d.Redaktion ) gesteigert. "Treibende Kräfte waren hochpreisiges Handels- und hochwertiges Objektgeschäft im Inland und ebenfalls hochpreisige Objektware im Ausland." Allein in Frankreich wurde die dortige Organisation verdoppelt. "Es ist auch heute durchaus möglich, das Geschäft auszubauen, wenn man die richtigen Leute, Produkte und professionellen Service hat."

Und da fühlt man sich in Hameln jetzt bestens aufgestellt: es wurden schon wieder neue Stellen geschaffen und beim Sortiment erfolgen aktuell die letzten Ergänzungen. Zur Domotex wurde das Wohnprogramm mit Elemento abgerundet, abgepassten Teppichen der Luxusklasse. Die drei Varianten Sahara, Tundra und Hammada.

Mit der neuen Linie Elemento, abgepassten Teppichen der Luxusklasse, wurde das Wohnprogramm nach oben abgerundet. Die drei Qualitäten Sahara, Tundra und Hammada werden aus bester Neuseeland-Schurwolle handgetuft, sind bis zu 14,5 kg schwer und kosten bis zu 750 EUR - pro Quadratmeter, versteht sich. Ihre eigenständige, markante Optik entsteht durch das dicke, bis zu 12 mm starke, aufwendig gefilzte Dochtgarn mit einer Polhöhe bis 4,5 cm. Dabei zeigt Tundra große, ineinander greifende Schlingen, Sahara ist ein Velours und Hammada ebenfalls, aber auffällig zweifarbig gestaltet mit einem schwarzen Kern. Die Farbwelten sind betont natürlich mit hellen Sandtönen, Grau- und Erdfarben, sowie Koralle und Flieder als farbigen Akzenten.

Auf der Domotex stießen die Elemento-Teppiche auf Anhieb auf Begeisterung. "Dabei waren die Besucher von der Emotionalität der Produkte fasziniert", berichtet Schulte. Gerade in Osteuropa seien Luxusgüter im Einrichtungsbereich zunehmend begehrt, ohne, dass auf den Preis geschaut werde. Auch für Deutschland sei das Thema interessant, weil es der wachsenden Nachfrage nach Hochwert-Produkten entgegenkommt. "Und die Händler haben eine gute Marge daran. Das kommt ihnen entgegen, denn wenn die Absatzmenge weiter rückläufig ist, muss sich der Handel Gedanken machen, wie er den Umsatz anders generiert."

Und dann springen die Hameler wie so viele andereAnbieter auch auf den Teppichfliesen-Zug auf. Allerdings geben sie dabei gleich richtig Gas und bauen für 7 Mio. EUR eine eigene Fertigung auf. Die Stanze steht schon, die Beschichtung folgt - "eine Schwerbeschichung, aber komplett aus Recyclingmaterial, kein Bitumen, kein PVC" - Mitte des Jahres soll sie eingerichtet sein: "Dann sind wir komplett vollstufig." - pünktlich zum Jubiläum. "Wir nehmen den Kampf mit den Großen auf", kündigt Schulte selbtbewusst an. Dazu wird zunächst eine Fliesenkollektion aufgelegt, selbstliegend, 90 Positionen direkt ab Lager.

Das ambitionierte Fliesenprojekt ist nicht das einzige Invest: Insgesamt wurden aus Wuppertal 12 Mio. EUR genehmigt, die unter anderem in neue Maschinen fließen. Schulte wertet das als "eindeutiges Bekenntnis des Mutterkonzerns zur textilen Sparte und auch zum Management"

In der Pipeline ist nun noch eine weitere Kollektion: Zielrichtung Hotelgeschäft, auch auf oberstem Niveau, mit Axminster-Webware für 5 Sterne-Häuser. Sie soll voraussichtlich Mitte des Jahres vorgestellt werden.
aus BTH Heimtex 02/08 (Wirtschaft)