Automatisierung im bodenverlegenden Handwerk

Künstliche Intelligenz entlastet Mitarbeiter und schont körperliche Ressourcen

Die Digitalisierung hat das Handwerk erreicht: Immer mehr Unternehmen erkennen die Chancen, die mit konsequenter Digitalisierung einhergehen, zeigen sich bei der Umsetzung aber zurückhaltend. Dabei unterstreichen einzelne Projekte, welches Potenial vor allem in der Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI) steckt. Ausgeklügelte KI-Systeme schaffen es, die Belastung der Mitarbeiter im Handwerk zu reduzieren. Vor allem Handwerker, die im Berufsalltag mit einer enormen körperlichen Anstrengung konfrontiert werden, können so spürbar entlastet werden.

Obwohl Boden- und Estrichleger sowie Objekteure ganz unterschiedlichen Aufgaben nachgehen, haben sie eine Gemeinsamkeit: Sie sind im Berufsalltag einer enormen körperlichen Belastung ausgesetzt. Seit Jahren sind Unternehmen darum bemüht, die Belastung für ihre Mitarbeiter durch gute Planung und clever zusammengestellte Teams zu minimieren. Der Erfolg ist jedoch überschaubar. Auf der Suche nach Möglichkeiten, die Gesundheit des eigenen Teams zu schonen und Ressourcen besser auszunutzen, gerät Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend in den Fokus.

Bei der Frage, wie KI Estrich- und Bodenleger, aber auch alle anderen Handwerker entlasten kann, hat sich Bauprevent zu einem der federführenden Projekte entwickelt. Durch den Einsatz von sogenannten Wearables mit speziellen Sensoren setzt Bauprevent zunächst darauf, die für Handwerker entstehenden Belastungen genauestens zu erfassen und sie anschließend auf digitaler Ebene auszuwerten. Die Sensoren der Wearables erkennen, inwieweit Muskeln und Skelett bei den einzelnen handwerklichen Arbeiten beansprucht werden. Durch die komplexe Auswertung ist es anschließend möglich, Empfehlungen zu geben, wie stark belastete Muskeln und Gelenke entlastet werden können.

Einsatz von Robotern
in Handwerksbetrieben

Bauprevent ist aber nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, wie KI im Handwerk eingesetzt werden kann. Auch Applied AI setzt sich mit dieser Frage auseinander, verfolgt aber einen anderen Ansatz. Das Handwerk gehört zu den Branchen, in denen von Hand Arbeiten erledigt und Neues geschaffen wird. Die konsequente Weiterentwicklung von KI-Systemen macht es möglich, Arbeitsprozesse so zu automatisieren, dass sie von Robotern erledigt werden könnten. Der Fokus von Applied AI liegt unter anderem auf der Einbindung von Robotern in der Werkstatt: Sie sollen von Mitarbeitern angelernt werden, sodass sie schließlich diverse Arbeitsschritte selbstständig erledigen können. In Zukunft könnten Roboter so trainiert werden, dass sie beispielsweise den Zuschnitt von Holz übernehmen. Applied AI wurde im Jahr 2017 von TUM und Nvidia ins Leben gerufen. Bis zur aktiven Einbindung von Robotern in Bau- und Handwerksbetrieben wird es nach Angaben der Initiatoren jedoch noch dauern.

Die Einbindung Künstlicher Intelligenz in Handwerksbetrieben ist aufwendig. So müssen passgenaue Systeme für die einzelnen Betriebe zunächst entwickelt werden. Schon in dieser Phase ist es wichtig, auf betriebsspezifische Besonderheiten einzugehen, um die Systeme sicher implementieren zu können.

KI-Lösungen ermöglichen
Automatisierung des Arbeitsalltags

Um von den Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz profitieren zu können, bedarf es nicht immer der Entwicklung vollkommen neuer Systeme: Schon jetzt gibt es Möglichkeiten, mit denen Handwerksbetriebe von KI profitieren können. So bieten Chatbots beispielsweise die Möglichkeit, den Kundendialog zu automatisieren und zu unterstützen, sowohl für die Kundenbindung als auch zur Neukundengewinnung. Andere KI-Anwendungen überwachen stattdessen die Wartung von Maschinen und sorgen dafür, dass Intervalle eingehalten werden.

Eine Buchhaltungssoftware ist ein weiteres Beispiel dafür, wie bereits kleine Betriebe von Künstlicher Intelligenz profitieren können. Sie entlastet Mitarbeiter im Büro und sorgt dafür, dass typische Aufgaben schneller abgewickelt werden können. So können Angebots- und Rechnungserstellungen mit wenigen Klicks angefertigt und das Forderungsmanagement überwacht werden. Dank der KI innerhalb der Software können Belege digital erfasst und erkannt werden. Die integrierten Algorithmen lernen stetig dazu und können anhand von Schlüsseldaten auf der Rechnung diese dem korrekten Buchungskonto zuordnen. Damit automatisieren Programme wie Sevdesk manuelle Arbeitsschritte, reduzieren den buchhalterischen Aufwand und erleichtern die Entwicklung zum papierlosen Büro, die gerade kleine Betriebe auf Dauer wettbewerbsfähig macht.

Fazit: Erhebliche Chancen dank KI

KI bietet für das Handwerk erhebliche Chancen und kann dazu beitragen, Mitarbeiter zu entlasten. Auch wenn Ansätze, wie die Einbindung von Robotern noch am Anfang stehen, ist die Künstliche Intelligenz in Form von Buchhaltungssoftware, Chatbots und Sprachassistenten in vielen kleinen Betrieben angekommen. Hier sorgt sie vor allem für Ressourcenschonung und unterstützt bei der Prozessoptimierung.


Fabian Silberer der Autor

Fabian Silberer ist Gründer und Geschäftsführer von Sevdesk, einer cloudbasierten Buchhaltungssoftware für Selbstständige und Kleinunternehmer. Im Jahr 2013 gründete er zusammen mit seinem damaligen Studienfreund Marco Reinbold das Software-Startup, das heute mehr als 80.000 Kunden vorweisen kann.
Künstliche Intelligenz entlastet Mitarbeiter und schont körperliche Ressourcen
Foto/Grafik: Engel International Communications
Die Einbindung Künstlicher Intelligenz in Handwerksbetrieben ist aufwendig. So müssen passgenaue Systeme für die einzelnen Betriebe zunächst entwickelt werden.
aus FussbodenTechnik 02/21 (Handwerk)